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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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Baum. Es war ein Ahorn. Seine Zweige bewegten sich leicht im Nachtwind. Sonst regte sich nichts. Ich wandte mich fragend an Pietz. Indem ließ er meinen Arm los und tat einen Sprung nach vorn. In seiner Rechten funkelte es metallisch auf.

Halt lv schrie er,«Halt, oder ich schieße lv Pabei knallte er auch schon los.

Die Schüsse mußten den Ahornstamm getroffen ha- ben; ein paar Rindenstücke splitterten ab und fielen zur Erde.

Ich sprang Dietz nach. Er stand geduckt da, lauernd. Ich pemerkte, daß seine Oberlippe sich hinaufgezogen hatte; die Zãhne waren nicht weißer als das Gesicht; seine Hände flatterten.

Wir lauschten.

Kein Laut. Die Stille hatte sich nach den Schüssen wie- der geschlossen, wie sich der Wasserspiegel eines Brunnens schließt, in den ein Stein gefallen ist.

Dann trillerte in der Entfernung eine Militãrpfeife. Mo- torrãder füllten die Luft mit ihrem Gedröhn. Eine S8. Streife kam herangebraust.

Dietz, mit einemmal võllig wach und sicher, pflanzte sich vor dem Wachtmeister der SS. auf᷑ und meldete abgehackt, daß er verdãchtige Flemente beim Malen reichsfeindlicher Parolen überrascht habe. Die Täter, vier oder fünf männ- liche Personen, seien bei Anruf sofort geflohen. Daraufhin habe er vorschriftsmãßig von der Schußwaffe Gebrauch ge⸗ macht.

¶Aber es ist doch niemand dagewesenꝰ, sagte ich, als die SS. Patrouille weggerattert war.

Dietz feixte. Erstens ist das gar nicht so sicher, mein Licber. Und dann kommt's ja darauf gar nicht an. Bereit sein ist alles. v

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