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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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findung, als sinke die frõhliche Welle, auf der ich geritten war, zusammen. Was fragte Dietz da? Wußte er etwas? Poch was konnte er schon wissen? Es war ja nichts gewe⸗ sen, damals mit Lidka, und was gewesen war, lag so weit zurück. So weit. Aber Betrunkene sind manchmal hell- sichtig. War es mõglich, daß Pietz tiefer in mich hineinsah, als ich selber Schen konnte oder wollte? War es mõglich, daß er einen Wunsch sah, den ich versteckt hielt, so ver- steckt, daß er ũberhaupt nicht dagewesen zu sein schien?

(Neinv, sagte ich schnell, anein, nein, niemals.»Die frõh- liche Welle hob mich wieder.

Auch Dietz hatte alle Wachheit und Spannung von neuem verloren. Schwankend lallte er: Da hast du recht getan, mein Sohn. Man darf ihnen nicht trauen. Den Männern nicht, den Weibern nicht, selbst den Kindern nicht. Wenn sie könnten, würden sie uns allesamt umlegen.v Er blieb stehen und drohte mit der Faust irgendwohin in die Weite. Ich mußte ihn zerren und stoßen, bevor er weiterging.

Hinter der Liebener Brücke waren die Straßen noch stil- ler und leerer. Nur hie und da begegneten wir einer SS.-Pa- trouille oder einem tschechischen Polizeiposten. Dietz steckte jedes mal die rechte Hand in die Tasche, wenn wir an einem der Polizeiposten vorũberkamen. Man weiß bei ihnen nie, wie man dran istv, knurrte er, anie, sage ich dir. Sie sind alle Feinde, auch wenn sie jetzt gut tun, das liegt einfach im Blut.v

Wir schritten einen Lattenzaun entlang. Weiße Schrift- zeichen leuchteten im Licht einer Laterne auf:Denkt an 1918*. Dahinter ein Kreuz.

(Sichst du, so sind siev, zischte Dietz. Er krallte sich in meinen Arm ein.

Was gibt's d»

Port! Portl» Er zeigte unbestimmt vor uns hin. Ich strengte meine Augen an. Hinter der Laterne stand ein

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