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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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vermeide es nicht nur peinlich, Unordnung anzurichten, sondern habe auch in einigen Fällen schmutziges Geschirt gewaschen und schlecht gehaltenes Tafelsilber auf Glanz poliert. Chabrun ließ das Blatt sinken und blinzelte in die Runde. Na, was sagt man dazu? Dieses Nachtgespenst kõnnte ein Poppelgãnger von unserm Seelke... vChabrun unterbrach sich, da er Sah, daß Scelke krebsrot angelaufen war. Ja, was hast du denn, Junge? Du wirst doch einen Scherz vertragen dv

Mit so was macht man keine Witzev, schrie Seelke. Er war aufgesprungen und fuchtelte mit den Armen in der Luft herum. Das ist... das ist... v Seine Kiefermuskeln bewegten sich sonderbar hüpfend, aber er prachte kein Wort mehr hervor. Dabei wirkte er nicht so sehr lãcherlich wie desperat.

Chabrun gelang es schließlich, den Aufgeregten zu be- ruhigen, doch hörten wir ihn auch nach dem Zubettgehen noch vor sich hinbrummen: Mit so was macht man keine Witze. v

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Dietz hatte seinen Spind geõffnet und frisierte sich vor dem herzfõrmigen, mit Hakenkreuzornamenten verzierten Spiegel, der innen an der Spindtũre hing. Uber und unter dem Spiegel klebten einige zwanzig aus Zeitschriften aus- geschnittene Bilder. Pietz nannte sie seine Gemãldegalerie. Ich Sah, daß er in ihrer Anordnung und Auswahl wieder einmal Verãnderungen vorgenommen hatte: in den unte- ren Reihen gab es lauter neue Nacktphotos, und oben das Porträt Görings im Mantel des Deutschen Ritterordens war nicht mehr von jagdszenen flankiert, sondern von Par- stellungen aus der germanischen Götterwelt. Die Walkũ- ren auf᷑ diesen Bildern hatten mit Rotstift ũbergroße Brust- warzen angemalt.

Dietz erblickte mich im Spiegel und ließ die Bürste sin⸗

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