Druckschrift 
Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen

Wir ließen uns alle hineinziehen. Auch Chabrun, der sich zwar niemals freiwillig zu einem H. K. meldete und gern erklärte, er halte es für unsoldatisch, Feinde abzuser- vieren, die nicht zurückschlagen könnten, aber im glei- chen Atemzug auch wieder verkündete, daß der geborene Krieger sich auf᷑ humanitãre Gedankengãnge gar nicht erst einlasse; er kõnne es nicht, denn er sei ganz von der Schick- salhaftigkeit des Krieges durchdrungen und wisse sich in eine Aufgabe eingeordnet, die erfüllt werden müsse, unbe- kümmert um Meinungen und Philosophien. Ja, auch Cha- brun ließ sich mit hineinzichen, und auch Maurer... zu- mindest sah ich nicht, daß sie aus dem Strom hinaus- fanden, der sie wie uns alle mit sich fortschwemmte.

Was ich mir dabei dachte? Krieg ist Krieg, dachte ich, die auf der andern Seite treiben es sicher genau so oder noch ärger, außerdem, was kann ich als einfacher Soldat Schon tun, die Verantwortung liegt sowieso bei denen oben, ja, wir sind da in eine Sauerei hineingeraten, in eine furcht- bare Sauerei, und jetæt mũssen wir eben durch, ein Zurũck gibt's nicht mehr... Das etwa dachte ich, aber nicht so klar, wie ich es jetzt eben, Wort neben Wort, aneinander- gesetzt habe. Nein, nicht so klar, denn ich rannte ja vor dem Penken davon. Das war das Leichteste, das Simpelste. Ich wußte noch nicht, daß man vor dem Denken, vor sich selbst, nicht davonlaufen kann; daß man irgendeinmal auf die Gedanken stõßt, denen man ausgewichen ist, s0 wie ein Verirrter plõtzlich seine eigenen Fußspuren wiederfin- det.

Ja, damit fing es an, das Gleiten und Stürzen, das Stumpf- werden und Verkommen; damit fing es an: mit der Furcht vor dem Denken.

Von jenem ersten Himmelfahrtskommando, das mir in Brinnerung geblieben ist, kamen Dietz und Klobocznik

61