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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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liche Mädchenzüge hatte mit feinem dunklem Haar und etwas verschleierten braunen Augen.

Lautes Gelächter und Schimpfen scheuchten mich aus meinem Dõsen auf. Dietz und Klobocznik hatten eine Kar- tenpartie gegen Scelke verloren und schoben sich nun ge- genseitig die Schuld zu. Maurer Saß mit seinem gewohnten unbeteiligten Gesicht daneben und pastelte an einem aus- einandergenommenen Radioapparat herum. Chabrun lag auf᷑ dem Nachbarbett. Er las in einem kleinen Buch mit ab- gegriffenen Lederdeckeln. Seine Lippen bewegten sich da- pei. Betete er am Ende? Da hob er den Kopf. Unter dem schwer herunterhängenden Lid blinkte es auf. Ohne ein Wort zu sagen, reichte er mir das Buch herüber.Hölder- lin Ausgewählte Gedichte' stand in blassen Goldlettern auf dem Rücken. Chabrun beantwortete mein verblüfftes Aufblicken mit einem lautlosen Lachen. Ich wollte ihm das Buch zurückgeben, doch er schüttelte den Kopf. Du kannst es noch eine Weile behaltenv, sagte er und erhob sich, cich muß sowieso jetzt fort.v Er ging aus der Stube. Ich schlug das Bãndchen auf, wo ein Lesezeichen zwischen den Seiten lag. Ein paar Verszeilen waren unterstrichen. Ich las:

Doch uns ist gegeben, Auf keiner Stãtte zu ruhn.

Die Tür wurde aufgerissen, und Unteroffizier Klahde, in Stahlhelm und mit umgehängter Maschinenpistole, erschien auf der Schwelle. Achtungv, schrie er herein, zwei Mann für ein H. K. benõtigt: wer meldet sichꝰv

Dietz warf die Karten hin und federte hoch.«Herr Un' off'zier.v

Auch Seelke und Klobocznik standen auf.

Klahde rief: Zwei sind genug. Dietz, Klobocnik, fertig machen und Patronen empfangen, aber schleunig, marsch, marsch lv Er machte kehrt und verschwand.

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