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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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Die Befriedigung verflog, noch hevor ich die Tür erreicht hatte.

Auf der Straße spürte ich den Pfropfen in meiner Kehle wachsen. Ich begann, die mir begegnenden deutschen Sol- daten schärfer ins Auge zu fassen. Viele von ihnen kamen großspurig daher, oder lachend, oder gleichgültig. Poch gab es auch solche, in denen Ahnliches vorgehen mußte wie in mir. An einer ihrer Bewegungen, an einem ihrer Blicke war zu erkennen, daß sie sich im Grunde verlaufen fühlten.

Unversehens tauchte hinter einer Ecke wirklich ein be- kanntes Gesicht auf, aber es war das von Dietz.

Er stand im Schatten eines Laubenbogens und ãugte zu einem Haustor auf der andern Straßenseite hinüber. Seine lange Nase war gebläht. Er glich einem Dachshund auf der Lauer.

Es vergingen zwei, drei Minuten. Dietz schien meine Anwesenheit nicht zu bemerken. Er rührte sich nicht. Plõtzlich, gerade als ich beschloß, mich leise davonzu- machen, drehte er sich um.

(Ach, du bist's, Holler? Warte, renn nicht gleich weg. Wollen wir zusammen einen Kleinen kippen... Ach so, du zerbrichst dir wohl den Kopf, was ich hier treibe d» Er rieb sich die außergewöhnlich weißen, schwammigen Hãnde. Habe nur so herumgeschnuppert. Man darf seine Beobachtungsgabe nicht einrosten lassen. Schließlich ist jeder von uns ein bißchen Auge des Gesetzes in diesem freundlichen Land hier, hehehe...v Er prach jãhlings ab, schlug die Hacken zusammen und erstarrte in straffster Diensthaltung.

Ich hatte gerade noch Zeit, die Hände an die Hosennaht zu legen, als auch schon ein hoher SS.-Offizier, dessen Kommen wir nicht bemerkt hatten, vor uns stehen blieb. Er trug große Uniform, mit zwei Reihen militärischer

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