Nach dem Essen beschnüffelten wir uns gegenseitig. Ich mußte Auskunft über mich geben— darüber, was ich beim Militãr und was ich vorher getrieben hatte und wo ich zu Hause war. Dafür erfuhr wiederum ich, daß meine neuen Kameraden durch die Bank aus Norddeutschland stamm- ten: daß sie Klobocznik, Seelke, Maurer und Dietz hießen; und daß nicht einer von ihnen im Felde gewesen war, zu- mindest nicht in diesem Kriege, denn Maurer hatte den letzten mitgemacht,- weshalb er denn auch jetzt, als einer von den Altgedienten über fünfundvierzig, nicht an die Front mußte. Scelke hatte auch schon seine achtundvierzig auf dem Buckel; bei Klobocznik waren es die Plattfüße und ein zahnloser Mund, und nur der Grund, dem der junge Dietz sein„Nicht felddienstfähig“ verdankte, schien unerfindlich... aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich versuchte gar nicht, diesen Grund herauszufinden.
Klobocznik war Kneipenwirt im Berliner Norden gewe- sen, und er sah ganz danach aus: ein schwergebauter, auf- geschwemmter Kerl mit riesigen Tatzen und zwei wulsti- gen Nackenfalten, die rotblau anliefen, wenn er lachte oder in Zorn geriet. Alois Seelke, im Zivilberuf Unterkontrol- leur bei der Steuerbehörde, glich trotz der grauen Igeffri- sur einem Buben, der Vaters Brille aufgesetzt hat, um Er- wachsener zu spielen. Maurer mit seinem wie aus hartem Holz geschnitzten Gesicht, in dem die Augen tiefblau und sehr weiß leuchteten, hätte für einen Scemann oder For- schungsreisenden gelten können, aber er war Textilarbei- ter. Und der langnasige Dietz, dessen Lippen immer ein wenig feucht glänzten; Horst Fritz Pietz, von dem Cha- brun sagte: Wenn man ihn seinen Namen aussprechen hört, möchte man glauben, er schläft mit Sporen und Pik- kelhaubev, war natürlich Cand. phil., Student der Rassen- kunde.
Dietz führte das große Wort. Die andern ließen ihn ge- wãhren: Chabrun mit einem leichten Flackern in dem ver-
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