Erwartungsvoll schaute sie zu Ludwig herüber. Als er sich nicht vom Fleck rührte und mit einer Verneigung grüßte, gab sie sich nicht zufrieden, sondern vollführte mit der Hand eine kleine, auffordernde Geste, wobei sie ganz leicht die Finger öffnete und sie gleich wieder schloß. Hierauf wandte sie sich unbefangen wieder ihrer Begleitung zu.
Es waren ein Herr von vielleicht sechzig, sehr aufrecht und schlank in seinem Frack, mit einem erstaunlich frischen, ergeben lächelnden Gesicht unter vollem, weißem Haar, und ein junger Mann von fünfundzwanzig, fast anstößig elegant, der in ihrer Gegenwart eine nervöse, beflissene Angespanntheit zeigte. Sie unterhielt sich ruhig mit ihnen, sah auch kein einziges Mal mehr nach Ludwig zurück.
Verworren hörte er Tschaikowsky und Smetana , die der glorreiche Bogen mit Brillanz und mit Innigkeit aufklingen ließ. Dort saß sie, rechts vorne vor ihm, in der zweiten Sitzreihe. Ein Stück schwarzsilberner Fuchs war in seinem Blickfeld, und darüber ein Schimmer des Nackens und das hellrotblonde Haar. Von dem was einmal so mächtig gewesen, fühlte er nichts, kein Nachbeben der einstigen, besinnungslosen Begierde, er bezog diese fremde, schöne Frau nicht mehr auf sich. Aber ihr Auftauchen, diese blitzartige Aufklärung über ihre Existenz, war doch wie ein Schlag gewesen. Ihr Verschwinden damals, stumm, ohne Erklärung, bei Nacht, mit nichts als ihrem rostbraunen Kleid, war ihm immer so end338


