blikum der großen Gelegenheiten, füllte den nüchternen Saal. Als der Geiger das Podium betrat, grüßte ihn langer Applaus. Dieser kleine, ernsthaft blickende Mann war nicht nur ein Musikant, dessen Ruhm zwischen den Erdteilen hin- und herschallte, er war auch sonst eine beachtete öffentliche Figur, in Schrift und Wort ein Herold für die Einigung des zerklüfteten Europa , und ein leidenschaftlicher Anwalt für Ruths und sein verfolgtes, vergewaltigtes Volk.
Unansehnlich gewachsen stand er dort oben, mit dem beunruhigend anziehenden Kopf eines in Melancholie gealterten Knaben, und zupfte im Angesicht der eleganten Tausende stimmend an seiner Geige. Alle seine Bewegungen waren von einer brüsken Würde. A sib mu
Er eröffnete mit dem Werk eines modernen Italieners, das er selbst nicht besonders zu lieben schien. Er erlaubte sich Launen. Manchmal kratzte sein Bogen höchst eigenwillig und ein bißchen verächtlich. Aber was dann folgte, war Brahms , und gleich war zu spüren, wie wohl ihm wurde in diesem Element. Es war die Sonate in G, jene ,, Regensonate". Das Instrument sang meisterlich und kristallen von sommerlichem Glück. Nach der verhaltenen Heiterkeit des ersten Satzes stieg das Andante zu voller Inbrunst und klarer Stärke auf, sonnenleuchtend und erdenfroh, bis hinan zur zaubrischen Coda. Aber ruhereich, wohlig, unterm warmen Regenfall, den die Begleitung mit tupfenden Sechzehnteln malte, löste sich in 336


