Dann begann er zu zweifeln. Er hatte sie damals kaum angesehen. Eigentlich konnte er sich nur an ihre Tränen erinnern. Und diese Münze- sie war nicht die einzige, die sich gerettet hatte durch die Jahrtausende.
Er mußte sie fragen. Aber es kam ihm vor, daß seine Stimme, auch flüsternd, wie Donner schallen würde im stillen Saal.
Er trennte von einen Manuskriptblatt einen Zettel ab und schrieb darauf: ,, Ich glaube, daß Sie Ruth Wetzlar sind. Darf ich mit Ihnen sprechen?" Und er schob ihn neben die Hand mit der Münze.
Die Hand rührte sich nicht. Die Frau schien den Zettel garnicht zu bemerken. Aber auf einmal wandte sie Ludwig den Kopf zu und maß ihn aus schwarzdrohenden Augen, mit einem vor Ablehnung fast kranken Gesicht. In ihrem Blick war Widerwille und Verachtung und zugleich eine wunde Scheu und Angst. Gegen diesen Blick gab es keine Berufung.
Gleichzeitig ergriff sie das Blatt, knitterte es mit einer krampfigen Bewegung zusammen und schleuderte den Knäuel zu Boden.
Dann versuchte sie zurückzukehren zum Buch. Aber sie war gestört, ihre Lust an Traum oder Lektüre dahin durch die Impertinenz dieses Unbekannten. Sie stand auf, nicht sehr leise, sondern mit Nachdruck, legte ihr Buch am Aufsichtstisch nieder und war schon beim Ausgang.
Einen Augenblick noch, und er konnte sie nicht
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