Hand, und sie ruhte ganz still auf der Grenzscheide zwischen Ludwigs Bezirk und dem nächsten. Er sah einen Augenblick nach ihr hin und vergaß sie. Aber nach einer Viertel- oder halben Stunde, als sein Blick zufällig wieder die Richtung nahm, lag sie immer noch da, genau in der selben Stellung wie vorher. Die Frau, der sie gehörte, konnte in der ganzen Zeit ihre Körperhaltung nicht geändert haben.
Es war eine bräunliche Hand, an den Knöcheln etwas tiefer gefärbt, zart, gestreckt und erstaunlich schmal. Ihr Rücken war nicht breiter als bei anderen Menschen drei Finger sind. Es war die adeligste Menschenhand, die er seit vielen Jahren gesehen hatte seit wie lange denn schon? Seit dem Tod seiner Mutter. Ja, diese Hand glich der seiner toten Mutter Anna Beatrix.
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Ihr Gelenk war ganz eng von einem ziemlich groben, blauen Wollstoff umspannt, und darüber trug die Leserin ein Armband, breit und biegsam, aus vielen kleinen Silberplättchen zusammengesetzt. In dieses Armband war eine Münze eingelassen.
Er erkannte die Münze. Es war Arethusa - wer sonst. Es war das Haupt der jugendlichen Göttin, ihre Stirn, ihr Mund, das ernste liebliche Lächeln. Die ersten Lettern des Stadtnamens waren deutlich zu lesen, und am Rande wiegten sich Fischlein.
Es war die Dekadrachme von Syrakus .
Ludwig richtete sich auf seinem Stuhl in die Höhe, vorsichtig, um die Nachbarin zu betrachten. Das
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