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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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festen Gang hatten und den Atem des Lebens. Frei­lich, es war nicht überall er selbst, der da schrieb! In mancher Kadenz, in der Art wie ein Abschnitt endete, erkannte er noch den Stil seines Meisters. Er löschte das nicht hinweg. Dann wurde die Abhängigkeit schwächer, und sie verlor sich.

Draußen waren jetzt schöne Tage. Die Sonne kam durch den Ruẞ. Von den Blumenkarren, die an den Ecken hielten, duftete es weithin. Im Park die Terriers und Collies tummelten sich auf Wiesen, die einen smaragdenen Schimmer annahmen.

Er sah das flüchtig, zehn Minuten am Morgen, wenn er zur Arbeit ging. Die Vorstellung, auf einer der Bänke hier mit einem Buch zu ruhen, hatte sich noch keinmal erfüllt. Steiger allein kam hierher und nährte aus alten Staatspapieren seine dynastischen Phantasien.

Die Leserschaft in der Bibliothek war jetzt weniger zahlreich. Öfters blieben neben Ludwig zu beiden Sei­ten die Plätze leer. Es fiel ihm kaum auf. Er kannte nicht ein Gesicht. Wohl aber kannte er die Gesichter der drei Stierkämpfer, mit denen zusammen sein Goya sich nach dem Hafenplatz durchschlug, um auf's hohe Meer und so nach Rom zu gelangen. Denn Goya war jetzt in Rom . Schon kletterte er an Sankt Peter empor, um in gefährlicher Höhe seinen unberühmten Namen in die ewige Kuppel einzukratzen.

Eines Nachmittags im April- die Sonne blitzte durch das Lichtauge oben- sah Ludwig neben sich, zur Linken, eine Hand liegen. Es war eine weibliche 314