Er erzählte dies Leben. Die Umwelt von Goyas Kindheit und Jugend, sie war da vor seinen Augen, die strenge, unerbittliche Landschaft von Aragon, der ärmliche Flecken vor Zaragoza , wo er zur Welt kam, dann die seltsame Stadt selbst, abweisend steinerner Traum, Albtraum fast, mit der schwarzen Madonna als innerstem Heiligtum.
Er war zweimal dort gewesen. Mit unvermuteter Klarheit lebte das Land noch in ihm. Er kannte auch seine Menschen. Der Bauernbursche Francisco, Malschüler in Zaragoza , er war ihm physisch vertraut. Groß und breit über seine Jahre stand er da, überschäumend stark, zum Welteinreißen. Ludwig spürte seinen Mut, seine Beweglichkeit. Er kannte den früh Verliebten, den Fenstersänger und Lautenschläger, den kein heranklirrender Polizeisäbel schreckt. Den eifersüchtigen Raufer, den Händelsucher, Haupt einer Rotte, die mit schallendem Lied durch die Häuserschluchten marschiert, anmassende Herren der Welt. Ein böser Handel sodann. Es liegt einer tot. Der Anführer muß sich verstecken. Fromm ist er auch nicht, sein Name steht im schwarzen Buch der Inquisition . Sie helfen ihm fort. Mit neunzehn Jahren ist er schon in Madrid .
Ludwig schrieb zuerst fast ohne Besinnung. Er überlas nicht, was dastand, aus Angst, alles werde ihm schal und nichtig vorkommen. Und mit Erstaunen merkte er eines Tages, daß er sicher war. Daß ihm die Sprache sich wirklich darbot, daß seine Sätze ihren
313


