7.
Er machte den Lesedom zu seiner Heimat. Man kannte ihn schon, er war eingereiht.
Dreimal in der Woche kam er am Morgen her und dreimal am Nachmittag. Es war ihm geglückt, seine Lektionen so zusammenzulegen, daß dies möglich wurde. Und er vollführte die doppelte Aufgabe mit der Unabnutzbarkeit eines Menschen, der noch nicht dreißig ist. Zum ersten Mal durchdrang ihn das Gefühl, daß er etwas vollenden könne, zu etwas berufen sei. Er rannte einen steilen Berg hinauf mit unverbrauchten, kräftigen Lungen.
Es drängte ihn zu seiner Arbeit, wie es einen zu seiner Geliebten drängt. Daß der Autobus langsam fuhr und zwanzigmal anhielt, machte ihn wild vor Ungeduld. Endlich durchschritt er das Atrium, den kleinen Gang, die innere Tür, und da war gleich zur Rechten sein Platz. Er sah ihn jedesmal mit einem neuen Glücksgefühl wieder. Er liebte alles an ihm. Das schwarze Leder der Tischplatte, die herunter zu klappenden Bücherpulte zu beiden Seiten, auch sie mit Leder bezogen und sogar gepolstert, die zwei Plätzen gemeinsame Hängelampe, die an so vielen trüben Londoner Tagen entzündet werden mußte. Den alten Diener, der ihn mit einem zurückhaltenden Lächeln grüßte, den umlaufenden Fries mit den Namen der englischen Schriftsteller, die Stille, die Kuppel mit ihrem gläsernen Auge, über das die Schatten der Wolken zogen. 312


