trägt nicht Sorge, die Blätter zu sammeln. Es ist ja doch alles in's Wasser geschrieben. Auch Kinder von Fleisch und Blut hat er gehabt, viele, zwanzig wohl an der Zahl, alle sind tot, es lebt ihm ein einziger Sohn. In seinem Landhaus sitzt er, mit dem Blick über kastilische Öden. Selten kommt noch ein Freund. Seinen Pinsel in der Hand geht der Abgeschlossene durch die Zimmer und bedeckt alle Wände mit undeutbaren Gesichten. Niemand braucht sie zu sehen. Niemand würde sie je begreifen. Manchmal kratzt er sie ab und malt noch Entsetzlicheres, eine Hexen- und Spukwelt, Grauen und Bosheit und zerreißenden Schmerz, leichenfahl oder frischblutend- und dazwischen, sehnsuchtsvoll, ein Stück Himmelsblau oder Erdengrün. War es eine Flucht in den Wahnsinn? War die Last des Mitleidens nicht mehr zu tragen? Trost gab es ja nicht. Er war nie gläubig gewesen. Hatte er Kirchenbilder gemalt, immer wurden sie schlecht.
Aber es war nicht der Wahnsinn. Aus den Schwaden der Höllenvisionen taucht ein fester, ruhiger Alter hervor. Von neuem malt seine Hand Volksfiguren und Bildnisse, seine schönsten, griechisch klar, leuchtend einfach, froh und real. Er ist gesund geblieben der Meister, er war niemals krank. Und fast schon achtzig nimmt er den Stab und verläßt sein Land. Als ein freundlicher Greis lebt er die spätesten Jahre in Frankreich. Und legt sich, der von nichts als Spanien gewußt hat, in Frankreichs Erde zur Ruhe, über die längst kein Dämon mehr herrscht--
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