Werks und dieser Laufbahn, es war ein Inbegriff, war eine Vision, was über ihn kam. Das Leben des Malers Francisco de Goya zu schreiben- nie hatte ihn auch nur der Gedanke berührt. Jetzt war er da und war schon ein Zwang.
Da stand der Mann, eine Riesenfigur, an der Scheide zweier Zeitalter, doppelgesichtig. Ein Gesicht noch der alten, heiteren Welt zugekehrt, sie schwelgerisch auskostend, in Bildern von klarem Glanz ihr zärtlichster Sohn. Das andere einer neuen Zeit zugewendet, der der Massen, Maschinen, keuchenden Kämpfe. Ganz für sich stand er da, inmitten einer Generation, die in seiner Kunst nur das Flache und Schwache hervorbrachte. Er spannte seine Arme aus über zwei Jahrhunderte Malerei. Da er zur Welt kommt, erinnern sich alte Leute noch an Velazquez , und da er stirbt, wird Manet geboren. Und was für ein Dasein! Welch ein Lauf vom Bauernsohn zum goldüberschütteten Maler einer todgeweihten Gesellschaft, auf den auf der Höhe eine furchtbare Trauer fällt mit der Ertaubung, die einsam macht. Der das Holde liebend geformt hat, wird heimisch unter Dämonen. Der Bettfreund der Grandenfrauen umarmt Gespenster. Seinem Pinsel und Stift ist keine Bewegung zu wild, das Ungeheuerliche nicht gräßlich genug, der Abgrund zu flach. Und aus dem Abgrund vernimmt sein taubes Ohr den eisenkehligen Schrei nach der Freiheit. Er war sehr berühmt gewesen, jetzt ist er allein. Sein Werk ist verstreut, halb verloren, er 309


