mit seiner einen Hand wie selbstverständlich übernahm, einen Eifer an den Tag, der Ludwig ins Herz schnitt. Eine kindliche Dienstbereitschaft war in seinem Wesen, zugleich etwas Zeremonielles. Und Ludwig fühlte, daß er ihn da nicht beirren dürfe. Steiger setzte sich sogar widerstrebend mit an den Tisch, den er gedeckt hatte. Er wäre lieber hinter Ludwigs Stuhl stehen geblieben, als herzoglicher Obermundschenk und Truchseẞ. Es war eine letzte Zuflucht für seine Träume. Wie er einst den Umgang mit dem jungen Prinzchen nie hatte zur Selbstverständlichkeit werden lassen, so brachte er es jetzt fertig, im Zusammenleben auf ein paar Quadratfuß Raum die Distanz zu wahren. In seinem mitgenommenen Geist hatte sich ein Programm und eine Legende gebildet: die Legende vom vertriebenen Fürsten, dem nur ein einziger treuer Diener noch folgt, um ihm Ehren und
Hof zu ersetzen.
Der vertriebene Fürst hatte schon bald von dem jüdischen Wohlfahrtsausschuß eine Anzahl Adressen erhalten. Er machte sich auf, seine Dienste anzubieten. Er hatte auch Glück. Da waren zwei Damen, Mutter und Tochter, die in einem hübschen, langweiligen Hause in Kensington ganz allein wohnten und aus purer Unbeschäftigtheit auf den Gedanken verfallen waren, Französisch zu lernen. Und in einer Villa in Hampstead begann er, die beiden halbwüchsigen Söhne eines Herrn Einstein im Deutschen zu unterrichten.
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