Druckschrift 
Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
Einzelbild herunterladen

den Äpfeln waren in zwei Ecken der Auslage billige Suitcases aufgestaffelt, obwohl der Zustrom von Rei­senden, die sich gerade hier equipieren wollten, un­möglich beträchtlich sein konnte.

Im ersten Stock hingegen tagte die ,, Gesellschaft für psychische Forschung". Zwei alterslose Damen mit stets unordentlicher und gleichsam staubiger Fri­sur, veranstalteten hier Séancen, an denen teilzuneh­men jedem freistand, der zwei Schilling bezahlte. Die Abende waren besucht, der Verkehr mit der Geister­welt augenscheinlich von Vorteil. Ludwig und Stei­in ihrem Oberstock vernahmen durch den Fuß­boden hindurch dumpfes Chorgemurmel und mit­unter, jedoch höchstens dreimal im Verlauf der selben Sitzung, einen ekstatischen Gruppenaufschrei.

ger

Mrs. Carpenter, ihre Hauswirtin, war eine rundliche Halbdame, die das Geschäft des Zimmervermietens mit melancholischer Geringschätzung betrieb. Sie hatte lange Jahre ihres Lebens in Indien verbracht, wo ihr verstorbener Mann im Civildienst beschäftigt gewesen war, ihren Andeutungen nach in einer Stel­lung, die der des Vizekönigs sehr wenig nachgab. Sei­ne Photographie, die zwischen ,, Tadj Mahal bei Mond­licht" und einem ,, Tod Nelsons" in ihrer Wohnstube hing, ließ eher einen Kassenboten oder Gerichts­schreiber vermuten. Auch um ihren einzigen Sohn Percy und seine Tätigkeit im britischen Kolonial­dienst breitete sie einen diamantenen Schimmer. In­vercargill hieß seine Station, und niemand, der Mrs. 286