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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Er blätterte in dem braunen Büchlein.

,, In Ihrem Paẞ fehlen die Grenzvermerke. Und die­ser Herr, wie Sie schreiben, besitzt überhaupt keinen." ,, Das ist so. Darf ich Ihre Zeit fünf Minuten in Anspruch nehmen?"

,, Natürlich." Der Beamte nahm ein Papiermesser vom Tische, spielte aber nicht damit, sondern hielt es ganz ruhig zwischen den Händen; er neigte ein wenig den Kopf und hörte zu.

Steiger saß daneben, mit jenem Ausdruck ergebe­ner Gläubigkeit, der Ludwig teils rührte teils mit einer unbestimmten Reue erfüllte. Ihm war klar geworden, daß der Freund unter den Schlägen seiner Erlebnisse Schaden genommen hatte. Es war, als seien Stützen in seinem Innern weggebrochen. Seine Augen, die ehedem in einem harten Glanz so entschlossen ge­blickt hatten, waren sanft wie Kinderaugen.

Als Ludwig zu Ende war, sagte der Beamte: ,, Ich kann Ihnen jetzt keinen Bescheid geben. Sie hören von uns. Haben Sie genügend Mittel, um in England zu leben?"

,, Nein," sagte Ludwig. Und dann gingen sie. Nach fünf Tagen kam eine Aufforderung, sich wie­derum einzufinden. Diesmal ging Ludwig allein.

Zimmer 125 und das Warten blieben ihm heute erspart, und er befand sich alsbald in einem ihm unbekannten Bureau, das geräumig war und im Stil der siebziger Jahre behagenerweckend möbliert. Ein mächtiges Kaminfeuer flammte. Vom ledernen

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