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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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4.

Geht man im englischen Ministerium des Innern, das in der Straße Whitehall gelegen ist, linker Hand die Treppe hinauf, so gelangt man am Ende des Kor­ridors zu einer Tür mit der Nummer 125. Es ist das Wartezimmer für Paß- und Aufenthaltssachen. Hier hast du dein Anliegen niederzuschreiben, wobei ein freundlicher, alter Bureaudiener dir flüsternd assi­stiert. Er nimmt Antrag und Paß und verschwindet im Nebenraum.

Dann vergeht eine ziemliche Weile. Unter zahlrei­chem Publikum, unbehaglich wartend und vielrassig, hast du eine oder auch zwei Stunden auszuharren im karg möblierten Gelaß, mit dem Blick auf einen freudlosen Innenhof. Neuankömmlinge tröpfeln fort­während hinzu, du überläßt deinen Stuhl einem slo­wenischen Dienstmädchen oder einem anatolischen Greis, und wenn du endlich aufgerufen wirst, so hast du's nicht mehr erwartet, und all die schlagfertigen Beweisgründe sind vollkommen vergessen, mit denen du ankamst.

Als es mit Ludwig und Steiger so weit war, hatte nebenan der Beamte Ludwigs deutschen Reisepaß vor sich liegen. Der Mann sah sachlich und keineswegs streng aus, aber wiederum unbehaglich- wie eben nicht nur Bittsteller aussehen, sondern auch Menschen, die mit Bittstellern von Amtswegen zu tun haben und häufiger abweisend sein müssen als entgegenkommend. 276