Druckschrift 
Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ten, Enthaupteten, geisterten um seinen Sarg und zer­gingen. Die englischen Männer und Frauen, die vor­beizogen, weinten. Was war das?

Sie verspürten keine Neigung zum Schlaf, als sie heimgekehrt waren in ihr Boardinghouse- Zimmer. Steigers Augen glänzten, er fühlte sich angerührt und bestätigt in der Tiefe seines mystischen Ver­trauens. Ludwig war in anderer Art bewegt, doch nicht weniger. Er verspürte ein Bedürfnis nach Klärung. Im Überlegen und Reden marschierte er auf und ab in der Stube, zwischen dem Schiebefen­ster, vor dem ein unwahrscheinlich schmutziges und auch zerrissenes Stück Häkelei hing, und der Tür, die unvollkommen schloß und jedesmal klapperte, wenn er ihr nahe kam.

Verehrung und Liebe... Ein erstaunliches Schau­spiel sei das freilich heute gewesen. Und etwas Besse­res, Realeres, als verschwommene Hingabe habe sich da manifestiert. Keine Mystik. Mit Mystik habe die englische Krone gar nichts zu schaffen. Ihr Ansehen sei einfach das der einzelnen Menschen, die sie trügen. Hierzulande habe man einmal einem König das Haupt abgeschlagen, und der eine Schwerthieb habe genügt, um die Dinge auf immer ins Gleiche zu rücken. Dies Königtum hier habe eigentlich keine Funktion mehr, mindestens sei sie ganz unbestimmt, in greifbaren Rechten kaum auszudrücken. Kraft be­sitze es dennoch, eine erhaltende Kraft- eine ärzt­liche beinahe.

272