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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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ken stellten sich in langer Reihe die Reisenden an, ihre verschiedenfarbigen Paẞheftchen vorsorglich schon in den Händen. Die polyglotten Angestellten der Weltfirma Cook, vornehm gekleidet wie Hofbe­amte, chaperonierten Unorientierte mit Zuvorkom­menheit.

Aber niemand wußte etwas von einem englischen Beamten. Und der ausweislose Steiger vermochte schon die belgische Sperre nicht zu passieren.

Ludwig sank das Herz. Steiger dagegen schien sich keine Sorge zu machen, ganz heiter hielt er sich ihm zur Seite, fest vertrauend darauf, der welterfahrene Freund werde schon alles zum Besten wenden.

Die Uhr in der Mittelhalle zeigte ein Viertel vor drei. Durch die breite Glastür, die verschlossen und mit einer Sicherheitskette verhangen war, konnte man jenseits der Gleise das kleine Schiff sehen, das selbst hier im tiefeingeschnittenen Hafen ein wenig tanzte. Reisende kamen von rechtsher über den Quai, betraten den Landungssteg, verschwanden im Boot. Ludwig verspürte einen brennenden Neid auf sie alle.

Unter ihnen waren die Engländer an ihrer Gemes­senheit zu erkennen. Aber heute schien diese ruhige Art noch besonders getönt. Schweigsame Gedrückt­heit, Betrübnis, lag auf den Gesichtern. Ludwig be­merkte etwas hierüber zu Steiger, und der bestätigte es.

Nur noch vereinzelte Nachzügler kamen. Es war keine Hoffnung mehr.

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