brannt. Steiger aß mit der Gier des Genesenden. Auf einem Nachbartischchen lag ein fleckiges Exemplar der ,, Indépendance Belge". Ludwig hielt es schon in der Hand, dann ließ er das schmutzige Papier wieder fallen. Er wußte ohnehin, was vorging in diesem Europa ! Wozu die taumelnden Schritte in's Unheil hinein einzeln verfolgen. Er hatte seit Prag keine Zeitung gelesen.
Er sagte: ,, Jetzt sollten Sie doch einmal erzählen, Steiger. Ich weiß noch immer nicht, was Sie mitangesehen haben- dort."
Steiger schüttelte entschieden und sanft den Kopf. ,, Das ist nichts für Sie, Hoheit."
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Ludwig lächelte und drang nicht in ihn. Die Fiktion, daß er, Ludwig, als etwas Unanrührbares, zu Schonendes, zu gelten habe, als die ,, Hoheit" eben, vor der man Jammer und Grauen verbarg sie war angesichts der Umstände so absurd wie ergreifend. Ludwig fühlte, daß er sie nicht zerstören dürfe. Es war möglich gewesen, dem guten Martis die unsinnig gewordene Anrede zu untersagen. Es war unmöglich bei Steiger.
Eine leere Stunde kroch hin. Einmal kam ein Arbeiter in das Lokal, trat an die Theke, schluckte stumm irgend ein farbig schillerndes Getränk, warf Geld auf das Blech und ging ohne Gruß. Die Bedienerin strickte. Es wurde halb zwei.
Als sie zur Gare Maritime zurückkamen, lief eben ein Zug aus Antwerpen ein. Zwischen Bretterschran
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