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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Schließlich gab er nach. Sie betraten den ungeheu­ren Bau durch ein Seitenpförtchen.

Es wurde Ludwig gleich klar, weshalb Steiger hierher gedrängt hatte. Elend noch und sehr mager stand er im dämmerigen Dom und schaute aus allzu glänzenden Augen zu den Glasfenstern auf, den Bild­nissen der fürstlichen Stifter in ihren Juwelenfarben. ,, Ahnen aus Ihrem Hause, Hoheit," sagte er an­dächtig.

Das mochte so sein. Steiger zeigte sich unterrichtet. Da war der dritte Johann von Portugal, da war Isa­bella von Portugal , Gattin des Weltkaisers Karl, da war die Frau seines Sohnes Philipp, Maria, eine Portugiesin auch sie. Von ihrer aller Blut rann ein später Tropfen in Ludwigs Adern.

Rührung und Spott zugleich regten sich in seinem Herzen. ,, Was haben Sie an diesen Isabellen?" fragte er ,,, das da zum Beispiel ist ein ganz gleichgültiges Fenster, muß eine moderne Nachbildung sein."

Aber Steiger wußte, was er daran hatte. Kein Massengeschrei und kein Diktator, kein persönlicher Fehlschlag und kein Leiden in der Baracke, hatten an seine dynastischen Träume gerührt. Im Gegenteil, er träumte sie inbrünstiger als jemals. Der Abkömmling all dieser fürstlichen Beter dort oben war sein Retter geworden. Kronenträger allein konnten auch die furchtbar gefährdete Welt noch erretten...

,, Jetzt kommen Sie fort," sagte Ludwig und er­griff ihn am Arm ,,, Sie schaudern ja in der Kälte!" 254