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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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11.

Das Auto, das Martis sich ausgeliehen hatte, war ein recht schäbiger Lieferwagen, dessen Führersitz überdacht war. Über den rückwärtigen Teil spannte sich eine schwarzlederne Plane, darunter lag eine Umhängetasche mit Reisebedarf bereit, und für Stei­ger Mantel und Mütze.

Martis nahm nicht den geraden Weg nach Ginn­heim hinaus. Er verließ die Stadt im Osten und schlug einen weiten Bogen über Seckbach und Eckenheim. Es war halb eins, als sie ankamen. In der Hauptstraße des noch ganz dörflich anmutenden Ortes zeigte sich keine Seele. Beim Ortsausgang rechter Hand lag ein Friedhof. Hier bog Martis ab, fuhr fünfzig Meter den aufgeweichten Feldweg weiter und hielt dann hart an der Mauer.

,, S'ist noch zu früh," sagte er. ,, Eine gute Nacht." Die gute Nacht war absolut finster, und es goẞ in Strömen. Als der Motor abgestellt war, rauschte es betäubend um sie.

Bisher hatte sich das Unternehmen nach Wunsch entwickelt. Den portugiesischen Smaragd zu ver­äußern, hatte Ludwig nicht nötig gehabt- dies Ge­schenk seiner Mutter, das zudem ohne große Gefahr sich nicht anbieten ließ. Uhr und Golddose hatten genügt; sogar ein Überschuß blieb.

Martis hatte seinen Mann in dem kleinen Café im nahen Bockenheim aufgesucht, wo in ihren Frei­

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