auf, leistete keinerlei Widerstand und folgte den Polizisten, die in Civil erschienen waren, in das Untersuchungsgefängnis. Das Ganze ging so still und ohne Aufhebens vor sich, daß Martis und seine Frau in ihrer Garagenwohnung nichts bemerkten und von dem Vorfall erst erfuhren, als alles vorüber war.
Es wurde wirklich Anklage erhoben. Der tierische Ernst, der ein Hauptmerkmal dieser Obrigkeit war, erlaubte es in der Tat, einem 68jährigen Blinden den Prozeß zu machen, weil er seine Pflegerin nach zehnjährigem Dienst weiter im Hause behalten hatte.Möglich immerhin, daß der Untersuchungsrichter sich schämte; jedenfalls erklärte er, daß bei dem hilflosen Manne keine Fluchtgefahr vorliege, und nach dreitägiger Haft wurde Jacques Wetzlar aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen. Die öffentliche Gerichtsverhandlung wurde anberaumt. Er kehrte nach Hause zurück.
Im Gefängnis war sein erster Gedanke gewesen, Ruth auf ihre Erholungsreise die böse Nachricht zu ersparen. Er instruierte seinen Verteidiger. Sie blieb ohne Ahnung. Zwei Briefe aus Rhodus , die Wetzlar vorfand, atmeten Befreiung, Frieden, Glück.
Das Mädchen Hermine hatte natürlich das Haus verlassen müssen, sie lebte in ihrem hessischen Heimatort unter Polizeiaufsicht. So las ihm der Chauffeur Martis die Briefe vor. Plötzlich stockte er.
,, Lies doch weiter, Martis," sagte Wetzlar ,,, was ist denn?" Da hörte er den Mann vor ihm weinen. Er 222


