Die elegante Wohnzeile war nur auf der einen Seite bebaut. Jenseits nickten aus einem langhingestreckten Park kahle Baumwipfel über's Gitter. Schöne Anwesen lagen hier, in vornehmer Stille, weit auseinander, gartenumgeben. Das Wetzlar'sche Haus präsentierte sich nobel, als ein niedriger, klassizistischer Bau mit einer kleinen Säulenvorhalle. ,, N.S.Hago Frankfurt am Main " stand am Garteneingang zu lesen. Eine Art von geflügeltem Stock oder Pfosten trug das Schild mit dem Hakenkreuz. Hago? Es klang wie ein altnordischer Jagd- oder Schlachtruf. Gott mochte wissen, was für eine muffige Parteiorganisation sich derart maskierte. Jedenfalls war es ganz unwahrscheinlich, daß der Jude Jacques Wetzlar in einem Haus mit der Aufschrift ,, Hago" noch immer zu finden war.
Es lag kein Schnee hier in Frankfurt . Es rieselte im Dämmer. Ein laulicher Wind flötete mißmutig durch die kahlen Bäume der Allee. Ludwig stand überlegend. Sollte er eintreten und sich bei den Hagoleuten nach der Adresse des einstigen Inhabers erkundigen?
Die Straße war menschenleer. Aber fünfzig Meter entfernt hielt ein Automobil vor dem Nachbarportal. Der Chauffeur auf seinem Sitz las wartend die Zeitung.
دو
Sagen Sie bitte- hier nebenan hat doch immer eine Familie Wetzlar gewohnt. Haben Sie eine Ahnung, wohin sie verzogen ist?"
14
209


