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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Die elegante Wohnzeile war nur auf der einen Sei­te bebaut. Jenseits nickten aus einem langhinge­streckten Park kahle Baumwipfel über's Gitter. Schöne Anwesen lagen hier, in vornehmer Stille, weit auseinander, gartenumgeben. Das Wetzlar'sche Haus präsentierte sich nobel, als ein niedriger, klassizisti­scher Bau mit einer kleinen Säulenvorhalle. ,, N.S.­Hago Frankfurt am Main " stand am Garteneingang zu lesen. Eine Art von geflügeltem Stock oder Pfosten trug das Schild mit dem Hakenkreuz. Hago? Es klang wie ein altnordischer Jagd- oder Schlachtruf. Gott mochte wissen, was für eine muffige Partei­organisation sich derart maskierte. Jedenfalls war es ganz unwahrscheinlich, daß der Jude Jacques Wetz­lar in einem Haus mit der Aufschrift ,, Hago" noch immer zu finden war.

Es lag kein Schnee hier in Frankfurt . Es rieselte im Dämmer. Ein laulicher Wind flötete mißmutig durch die kahlen Bäume der Allee. Ludwig stand über­legend. Sollte er eintreten und sich bei den Hago­leuten nach der Adresse des einstigen Inhabers erkun­digen?

Die Straße war menschenleer. Aber fünfzig Meter entfernt hielt ein Automobil vor dem Nachbarportal. Der Chauffeur auf seinem Sitz las wartend die Zei­tung.

دو

Sagen Sie bitte- hier nebenan hat doch immer eine Familie Wetzlar gewohnt. Haben Sie eine Ah­nung, wohin sie verzogen ist?"

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