5.
Die Redaktion der Wochenschrift ,, Freies Wort" befand sich in einer der Straßen zwischen den Bahnhöfen, in denen die Langeweile der einstigen Provinzstadt ein letztes, graues Quartier gefunden zu haben scheint.
Es waren drei kleine Zimmer im zweiten Stock. Im vordersten, darin mehrere Leute arbeiteten, fragte eine kleine, wach und gutherzig aussehende Sekretärin nach Ludwigs Begehr. Der Ausdruck ihres klugen Gesichts wurde sogleich miẞtrauisch, als er erklärte, Herrn Leo Breisach selbst sprechen zu wollen, und offen feindselig, als er seinen eigenen Namen verschwieg. Sie ging. Ludwig blieb als ein lästiger Bittsteller stehen in dem zu kleinen Raum, beim Geräusch zweier Schreibmaschinen, das bald stockte, bald überstürzt wieder anhob. Dann ließ ihn die Sekretärin zu einem traurig blickenden, groß und krumm gewachsenen Herrn eintreten, der vor seinem Schreibtisch stand.
,, Sie wünschen?"
,, Spreche ich mit Herrn Breisach?"
Der lange Herr schüttelte miẞbilligend den Kopf. ,, Ich kann Ihnen noch nicht sagen, ob Herr Breisach Zeit für Sie hat. Wer sind Sie denn?"
Ludwig nannte seinen Namen.
,, Ah. Hmhm. Sie werden begreifen, daß wir vorsichtig sind. Können Sie sich überhaupt ausweisen?"
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