senhaft. Es war ein Stoß Papier , ein langes Kapitel.
Unmögliche Situation, so grotesk wie furchtbar. Konnte er Rotteck lesen lassen, ihm schweigend zuhören, um dann nach einer Stunde zu sagen: ,, Herrlich, Herr Geheimrat, ein bedeutender Abschnitt, übrigens, Ihre Gattin und ich-"
Aber Rotteck las schon. Die Stimme klang hohl und hallend. Und da denn nichts Andres zu tun war, so hörte sein schuldiger Schüler ihm zu. Erst war ihm unausgesetzt gegenwärtig, was bevorstand, dann aber fing er an zu vergessen, gefesselt. Stoßweise nur, in immer weiteren Abständen, überfiel ihn das Bewußtsein der Lage.
Was Rotteck hier aufgezeichnet hatte, war das Leben und die Arbeit jenes Philippe de Champaigne , der unter Ludwig dem Dreizehnten Hofmaler war.
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Weder Sainte- Beuve noch Reuchlin habe ich zum Nachschlagen dagehabt," schaltete er mit einem flüchtigen Lächeln ein, und fuhr dann fort in seiner Darstellung des Klosters Port- Royal, wo die Tochter dieses Meisters als Nonne lebte, und wo ihr berühmtes Portrait entstand, Haupt- und Höhenwerk des Vaters. Seiten hindurch war von dem Bildnis die Rede, diesem wunderbar wahren, soliden Stück Malerei. So kräftig lebte es auf in Rottecks Sätzen, als hätte er's vor sich gehabt an der Louvre- Wand. Nichts in diesem Bericht war abstrakt. Und dennoch erstand hier mehr als ein einzelnes Werk: das Bild 168


