wurde zum Inbegriff einer ganzen wirklichkeitsnahen, redlichen französischen Geistesart.
,, Also das wär's," sagte er abschließend und legte den Blätterstoẞ hin. ,, Das wär der Champaigne. Und dann gehen wir eben weiter- Rigaud, Nattier , Largillière, gesegnete Meister, so ist man beschäftigt. Legen wir Blatt auf Blatt, schichten wir's auf, sehen braucht's niemand, par delà les tombes en avant! Übrigens, daß ich's Ihnen nur sage, Ludwig,- Susanna ist von mir fort."
-
,, Fort?" flüsterte Ludwig. ,, Ich verstehe nicht." ,, Aber ich versteh's," sagte Rotteck. ,, Sie ist fort von mir, weg, dahin, ganz, für immer. Es war ja auch fällig was soll die lebendige Frau bei einem Kadaver. Denn es ist Ihnen ja wohl bekannt, daß Sie sich hier im Gespräch mit einem Kadaver befinden? Die Herren Deutschen haben reichlich gemordet, und mich so nebenbei mit, auf unblutige Weise, à l'amiable. Da sitzt der Kadaver und macht Papier schwarz. Ganz Recht hat sie, Gottes Recht, Lebens Recht. Nur etwas bündig hat sie mir's mitgeteilt, in drei Zeilen."
Er deutete mit vager Geste nach einem Zettel, der auf dem Schreibtisch lag. Ludwig erkannte die unordentliche Kleinmädchenschrift. ,, Heut früh lag das Briefchen auf meinem Tisch. Jajaja. Garnichts mitgenommen hat sie außer ihrem braunen Kostüm. Hängt alles im Schrank. Wenn's ihr nur gut gehen wird, Ludwig, draußen im Strudel... Aber es wird, Ludwig, es wird. Fluctuat nec mergitur."
169


