füllt von sengenden Wellen. Er hatte auch zu Susanna mit keinem Wort von seinem persönlichen Schicksal gesprochen. Sie wußte nichts. Er würde reisen, bald, sie nicht wiedersehen. Aber noch, wenige Tage lang noch, wollte er ihre Gegenwart spüren. Noch diesem tiefen Stimmklang lauschen, den lebensvollen Mund in dem hellen Gesicht sich regen sehen, ihren spähenden, verwundenden Blick, und die unnennbare Lockung ihrer Glieder unter dem abgetragenen Kleid.
Der Tag draußen vor seinem Fenster war strahlend schön geworden- ein seltsamer Nachsommer, tief im November. Das riesige Zifferblatt drunten in der Gasse, über dem Lädchen des Uhrmachers, zeigte halb elf. Es fiel ihm ein, daß er vergessen hatte zu frühstücken. Als er läutete, brachte ihm ein kleiner Kellnerjunge zwei Briefe.
Der eine enthielt seine Wochenrechnung. So war er schon sieben Tage in Prag - er prüfte die Ziffer: die Summe in tschechischer Währung kam ihm beträchtlich vor. Als er damals von Berlin nach Dresden verreiste, hatte er, eigentlich aus Zerstreutheit, einen größern Geldbetrag in seine Tasche gesteckt. Es waren sechshundert Mark. Diese sechshundert Mark standen zwischen ihm und der Not. Er vermied jede Ausgabe, so gut er konnte. Aber er besaß keinen Anzug zum Wechseln, kein zweites Paar Schuhe.
Am zweiten Tag nach seiner Ankunft in Prag hatte er sich hingesetzt und hatte den treulosen Hermann Imme brieflich angewiesen, ihm einen Koffer
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