sinken lassen. So wußten die Anderen erst nicht, ob er zu Ende gesprochen habe. Es entstand eine befangene, schwere Stille. Man hörte nur den herzkranken Herrn von der Unstrut einmal tief aufseufzen.
Da geschah ein donnernder Schlag gegen die Tür. Alle standen sie aufrecht. Die unter ihnen, die Soldaten gewesen waren, blickten einander an; ihr Ohr unterschied den Gewehrkolben.„ Öffnen!" gebot eine gemessene Stimme. Neue Kolbenstöße folgten. Die Tür wankte schon.
Steiger hatte Ludwig um die Schulter gefaßt, er zog ihn zum Fenster. Er riß es auf. Sein verstümmelter Arm deutete durch den Hof auf ein Tor. ,, Am Postplatz stehn Taxis. Sie fahren zur Grenze, nicht Richtung Altenberg,- Richtung Freiberg- Teplitz! Sagen Sie dem Chauffeur, wer Sie sind!"
,, Aber Steiger!" sagte Ludwig ganz leise. Ihm war, als hätte er den Vorgang vorausgewußt, ganz so, wie er sich abspielte. Alle blickten auf ihn. Mit genierten Schritten ging er zur Tür. Bruckdorf und Eisendecher drängten sich vor ihn. Er sah, daß Eisendecher bewaffnet war.
Zum ersten und letzten Mal lag es ihm ob, zu befehlen. ,, Stecken ,, Stecken Sie das ein- bitte," sagte er.„ Es werden Viele sein. Wo Leben ist, ist noch Hoffnung." Die Türfüllung splitterte. Ludwig schob den Riegel
zurück.
Ins Zimmer blinkten die Läufe von vier Gewehren. 112


