wurden einzeln von dem apfelwangigen Imme in das Wohnzimmer mit den holländischen Möbeln geleitet. Ludwig hatte überlegt, ob er an diesem Tage dem Diener nicht besser Ausgang geben sollte, aber Steiger vertrat die Meinung, dies müsse dem Treuen nur auffallen. Man traf sich dreimal in Ludwigs Wohnung. An diesen drei Abenden saẞ Imme drüben in seiner Kammer.
Der eigentliche Treffpunkt der Gruppe jedoch befand sich in Dresden , eben hier in Herrn Gretschels licht- und luftarmen Hinterzimmer. Zum ersten Male war Ludwig heute hierher gereist. Benommen, erhitzt, tief befangen, lauschte er den Erklärungen des weißbärtigen Offiziers. Eben ging der von seinen Prämissen zur nächsten, der praktischen Zukunft über:
,, Hoheit, gnädigster Prinz-"
In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember, der Christnacht, werde man handeln. In genau sieben Wochen also. Auf diesen Zeitpunkt sei die Wahl gefallen, weil man da erwarten dürfe, ohne BlutvergieBen an's Ziel zu kommen. Niemand, auch Hitlers mißtrauischste Handlanger nicht, versähen sich während hoher Festtage einer Gefahr. Das Gros der Milizen werde auf Urlaub sein, fast alle zivilen und militärischen Befehlsstellen außer Funktion. Dies gelte besonders- Bruckdorf wendete hier seinen Blick auf Hauptmann von Eisendecher und lächelte ein wenig- von den lokalen Kommandeuren der
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