glas vor sich stehen. Aber das schien eine Formsache. Man trank kaum etwas. Es wurde auch wenig geraucht.
Es waren gut aussehende Leute. Die Mehrzahl von ihnen zeigte das gehaltene, etwas steife Betragen von gehobenen Beamten oder von Offizieren in Zivil. Mit zwei Ausnahmen waren sie jung.
Doktor Otto Steiger, der mit am Tische saß, war jetzt den Fünfzig nahe. Noch immer erschien er soigniert in seinem Äußern, doch dieser Gepflegtheit sah man an, daß sie unter bedrängten Umständen festgehalten wurde. Sein schwarzer Anzug war peinlich sauber, aber er glänzte. Doktor Steigers sehr große, braune, etwas vorgewölbte Augen zeigten nicht mehr die Sanftheit seiner jungen Jahre, sie spiegelten in einer eigensinnigen, beinahe fanatischen Härte.
Wesentlich älter noch als er war Oberst Michael Bruckdorf. Unter Mittelgröße, fest, mit einem geröteten Gesicht, von dem Augenbrauen und gestutzter Schnurrbart sich watteweiß abhoben, war er aufgestanden und sprach mit einer leicht krähenden Befehlsstimme, die er nach wenigen Sätzen immer von Neuem dämpfte.
Dazu war Anlaß. Es hatte seinen Sinn, daß die acht Herren sich in dem trübseligen, luft- und lichtarmen Hinterraum zusammengefunden hatten. Wenn das Wort Hochverrat in diesem Deutschland , unter dieser Regierung, noch einen Sinn hatte, so war Herrn Bruckdorfs Rede hochverräterisch im äußersten Grad. 100


