einer Geste als verliehe er einen Orden, Ludwig ein halbes Glas Rotwein ein. Dann streifte er mit einem ziemlich verächtlichen Blick den Erbprinzen und schloß ein Auge dabei. Der Erbprinz wurde zornrot, er sah sich bloßgestellt vor dem Händler und verschloß dies Erlebnis in seinem primitiven Herzen.
Er hätte sich sagen mögen, daß er keineswegs bloẞgestellt sei. Wetzlar konnte den abschätzigen Blick nicht bemerkt haben. Denn seine dunklen Augen, die hinter kompliziert geschliffenen, dicken Gläsern unheimlich vergrößert erschienen, sahen beinahe nichts. Dieser berühmte Experte des numismatischen Weltmarkts, ohne den das Britische Museum und die Bibliothèque Nationale wichtige Münzkäufe ungern abschlossen, nahm nur Umrisse wahr. Dafür hatte sich das Gefühl seiner Finger, und zwar besonders seiner beiden kleinen Finger, bis zum Unfaßbaren entwikkelt. Sacht und liebkosend tupfte er mit der Spitze über die geprägte Fläche und sprach ein Verdikt, gegen das es keine Berufung gab. Im vertrauten Kreise ließ er sich zu Experimenten herbei. Er schloß die Augen, man legte ihm Münzsorten vor, und nach kurzem Tasten und Streicheln hieß es: Zwölf Kreuzer Christian von Lüneburg, Denar Karls des Großen, China Thsin- Dynastie.
Jacques Wetzlar war ein kleiner, feingliedriger Herr mit seidig gepflegtem Schnurrbart und Kinnbart, weit vor seinen Jahren ergraut. Er sprach Frankfurter Dialekt mit unverhohlen jüdischem Tonfall, und den
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