Anleitungen, Ermahnungen: das müßtest, das solltest Du, mach es so oder so, das Andere, das, was man selber kann. Eben dasselbe läßt es nicht zu, und dann sind es eben die Sachen, die sich stoßen. Mit denen uns nur ein paar Fäden noch verbinden— und die sind immer am Zerreißen.
Wir wissen, was wir erfahren haben: da ‚„erstand uns unser Führer‘. Kam berauschte Führerschaft. Und nach dem ausgetobten Rausch des Fürchterlichen der allgemeine Jammer, mit der Liquidation von An- griffskriegen nach allen Richtungen der Windrose, mit dem Volk in der erzwungenen Rolle des Verteidigers. Und nun trägt dasselbe Volk, als das einzig noch Faßbare mit seinen„Sachwerten“ die Schuld. Wo ist das Menschen-Bild, nach dem ruchlos verschwelten Führer-Bild? In der Rätselhaftigkeit des Schuld-Phänomens. In der Aufgabe der Mitte: Das Fehlende hervorzubringen. Wir wissen, was nicht Wissen nur, was Erkennen bedeutet: geistige Arbeit, die hervorbringt.
Je weiter fortgeschritten werden kann in der wirklichen Aufhellung und Herausstellung der treibenden Motive, eigentlich wirkender Kräfte, dazu der eigentümlichen Stellung und Lage des mittel- europäisch-deutschen Menschen im Wandel der Entwicklung seines Menschentums, um so mehr stellt sich diese Neuzeit als das mensch- liche Problem schlechthin heraus, das mit dem Menschen der Mitte steht und fällt.
Ein Phantom ist aufgestiegen und verschwunden, erst in blau, dann blutrot. Es signalisiert eine bedrohte Lage: der Mensch ist in Gefahr von Innen. Das Selbst ist krank. Unsere Not, unser Hunger, im Mittel- punkte unseres Lebens, symbolisiert in grausam-grauenhafter Echt-
heit das blut- und kraftlose Ich der Mitte. Wem gebührt die Priorität,
dem Geiste oder der Materie mit dem Widerspiel der Kräfte, sie ist uns gefährlich auf den Leib gerückt, diese Frage. Das, da es sich um endgültige Entscheidungen handelt, geht alle an.
Was ergibt sich aus der vorliegenden Arbeit für Zeit und Lage, kann sie praktisch nutzen für unsere Lage? Die äußerste Notzeit bindet und verpflichtet jeden, der noch ein Gewissen hat, und der heute Schrei- bende wird doch bestimmt, sich eingeordnet finden in dem Maß von Nähe oder Ferne von dem Punkte, um den alles Sehnen kreist, der Er- lösung von unmittelbarer Not.
Das Böse ist in der Welt unseres Planeten, real wie wir, und dieser Tatsache verdankt sich unsere Lage. Aber man müßte schon auch den zweiten seiner Schritte, die„Wunder-Waffe‘ Atom-Bombe als
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