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Der Geist der Mitte : das andere Deutschland : die "Umschulung" der Deutschen / August Blume
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die Unterschiede zu halten vermag anstatt sie in den Wanst hinein aufzufressen, Einigkeit in Freiwilligkeit der Einzelheiten, nicht in unterschiedloser Massenhaftigkeit.

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Es ist nicht bloße Reflexion, vorbei- und zuviel gesagt, sondern ist wirklich und entspricht Tatbeständen: Die Rätselhaftigkeit der Zu­kunft deutscher Staats- Gebilde symbolisiert den Zustand des moder­nen Menschen, dieser Menschheit einer gewissen Zivilisation. Auf­geschreckt, aufgeregt fragt sie: Was nun, was ist, mit uns, mit mir, lauter Fragen um den Bestand, nach Grund und Boden. Das Gemein­same ist eine Brücke, die gemieden wird, weil sie nicht trägt: Eine Unsicherheit bis zur Haltlosigkeit, begründet im unsicher gewordenen Menschen. Möge Gott uns bewahren, auf die Probe gestellt, wissen wir eines sicher, daß wir nicht bestehen: das sagt im Grunde sich jeder Mensch wenn er es auch nicht sagt. Und das hat dann böse Folgen, z. B. die, daß die Menschen durchweg nicht können, was sie doch müssen: miteinander leben, verkehren. Konferenzen explodie­ren, das Leben ist in kleinen und großen Explosionen. Sind es die Menschen, sind es die Sachen, die einander abstoßen? Die Mitte fehlt. Kaum einem ist wohl in seiner Haut, deshalb, getrieben, geht man gegen den Andern an. Man hat keine Ruhe, weil im Innern nicht in Ruhe gelassen, nicht jene seiner sichere, gelassene Ruhe ist: Das ge­störte Gleichgewicht ist eine Erscheinung des europäischen Men­schen! Europa fiebert oder liegt in Agonie, diese Zustände lösen ein­ander ab. Menschliche Beziehungen stimmen sich aus demselben Grunde immer mehr auf Qual als auf Freundschaft wirklicher Freude. Der Prozentsatz wirklicher Gesundheit ist bestimmt im Abnehmen, senkt sich ständig.

Das Wagnis, vorzudringen zu Grund und Kern eigenen Wesens, wird überspielt, weiß man doch, oder glaubt es wenigstens, er ist hohl. Man weiß auch nichts: Das Menschen- Bild, nach dem man blicken könnte, sich zu richten, ist in sehr abgeblaẞtem Zustande auf uns ge­kommen und gibt den Blicken nichts Bestimmtes, jeder sieht Zwei­deutiges, jeder ist anders.

Das ist eine Zeit, in der Gewalt gedeiht wie die Disteln eines Acker­feldes in der Brache. Armes Deutschland ! Wehe dem, der sich nicht retten kann! Zufriedene, befriedigte Menschen pflegen im natürlichen Leben und Lebenlassen wohlwollend zu sein.

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Das möchte man, das ist der allgemeine Drang: statt von Andern

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