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Der Geist der Mitte : das andere Deutschland : die "Umschulung" der Deutschen / August Blume
Entstehung
Seite
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Es ist aber mehr zu sagen: Zunächst ist zu bemerken, daß bis heute das deutsche Geistesleben trotzdem auf Kant fußt, sich in seinen her­vorragendsten Vertretern von neuem immer wieder zu Kant bekennt als dem größten deutschen Denker" und damit schon in das ganze Leben hereinwirkt. Daß sich aber weiter bis heute niemand gefunden hat, diese Stelle wirklich auch nur zu lesen! Das wenigstens muß zur Ehre dieses Lebens angenommen werden. Denn sonst müßte etwas Anderes angenommen werden: was der Ehre, wie den Verdiensten wenig übrig läßt. Es ist im ganzen Verlauf dieser Auseinandersetzung Zurückhaltung geübt, nur das Mindeste gesagt und auch dem Tone nach ist vermieden, was den Schein vorgefaßter Polemik erregen könnte. An dieser Stelle muß eine Grenze durchbrochen werden, in­sofern eine quantitative Erweiterung erfolgen muß, denn diese, inner­halb der Themensetzung und-behandlung Kants befindliche Stelle verlangte eigentlich eine ganze, eine besondere Abhandlung. Man bedenke: Wir stehen, von Kant gefordert, im Erkenntnisproblem, stehen als Menschen, ohne, ja gegen ,, Wissenschaft", uns statt ihrer uns auf uns selbst und das Selbst des Menschen berufend, sind ver­setzt durch die Sache in Kern und Wesen unserer Persönlichkeit, sind in dem, was das Zentrale unseres Selbstes nicht bloß berührt, sondern gerade ausmacht. Und in diesem vertritt diese Stelle, nach der Angabe Kants, ein Mechanismus, ist mechanisches Wirken, Wirkensweise mechanischer Art! Nicht wir sind, das zu glauben, so ist zu folgern, sei eine Illusion, eine Selbsttäuschung, es ist mechanisches, ist für freies Wirken kein Platz. Mechanisches unterscheidet sich vom freien Wirken erkennbar dadurch, daß ihm jeweils nur eine Wirkensweise möglich ist, diese von vornherein in ihm veranlagt liegt, es auf dieses Eine eingerichtet ist. Möglich ist Mechanisches, weil es im Leben, in­nerhalb organischen Lebens ein Reich toter Stofflichkeit, Mineralisches gibt: weil auch Tod ist. Jener tote Stoff ist relativ unveränderlich, jede, auch die chemische Verwandlung würde den Mechanismus gefährden. Dieser Mechanismus er ,, denkt" nur auf ihn, ein so Beschaffenes, das funktioniert ist eine Funktion als Ergebnis, die sich also von selbst ergibt, von dem nichts anderes erwartet werden kann, als was einmal ein anderes Selbst in ihn hineingelegt, geleitet hat, das weder in einem Selbst, noch von einem solchen durchdrungen ist er hat sein Dasein außerhalb eines wirklichen Selbstes, neben ihm, zu dessen Zwecken ist er zweckmäßig eingerichtet. Er hat sein Selbst nicht in ihm, sondern an irgend einer Stelle ist es gebildet außer ihm.

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