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Der Geist der Mitte : das andere Deutschland : die "Umschulung" der Deutschen / August Blume
Entstehung
Seite
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Die Brückenbildung zwischen zwei Ufern ist vollzogen: hier wie da ist derselbe unterlegene Mensch, ist er als Objekt, statt als Wesen.

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Immer ist im Erkenntnisvermögen des Menschen ein kritischer Punkt: Wer nicht will, wird auch nichts vermögen. Heute, nach dem gänzlichen Versagen dieses Eigen- Willens, herrscht, statt zu Erkennt­nis und Selbsterkenntnis zu kommen, großes Lamento, daß es so ist, ,, Gott " es so eingerichtet habe und wir doch noch an Gott zu glauben wider­haben, den Glauben als unser Verdienst noch übrig haben wärtiges, ebenso unwürdiges als gefährliches und meist auch ver­logenes Gewinsel. Kann doch jeder wissen: solange er nicht tut, kann er auch nicht erfahren was er tut und muß es beim Glauben lassen, aber Faulheit gilt sicher bei Gott nicht als Verdienst, höchstens bei Menschen, die sich in solcher Lage lassen. Kann doch jeder wissen, was er will. Der kritische Punkt ist der Wende- Punkt seiner Freiheit. Der Mensch, er ist schon frei gelassen, es ist in seiner, des Menschen Freiheit und nicht gezwungen: auf einer Seite ist Übersinnliches( noch denn nicht in das Sinnliche gesetzt) und darum noch freies Feld dieses ist in keiner Weise zwingend, weil gänzlich ohne Bestimmung. Auf der anderen Seite ist ins Sinnliche und darum bestimmt gesetzt: von dieser Seite wird der Mensch bestimmt. Aber in Wahrheit fließt, geht über von einem zu andern, in dem Augenblick des Willens ist Kontaktbildung und fließt der ,, Strom", Brückenbildung ist, wo Ver­mögen, potentia, actus wird, und Aktualität ist durch des Menschen Wille: ,, Erfahrung", hier muß gewollt werden, ohne Wollen wird nichts erfahren, und auch nichts gewußt.( Aber dem willensmäßigen Fleiß steht die willensunfähige innere Faulheit gegenüber und im Wege, der Freiheit wegen ist auch diese Polarität.)

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Nietzsches berühmtes Wort: ,, Nur wer sich wandelt ist mit mir ver­wandt" ist das Stichwort seiner Tragödie! Umstände ohne Ort und Wesen der Wandlung zu erfahren.

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Die tätige Aufklärung über diesen ,, Punkt" beweist ein ,, Übersinn­liches"( gewöhnlich Metaphysisches genannt) als zum Sinnlichen ge­hörig( wie zum Mittler Menschen), wie dieses nicht ohne jenes sein kann, nicht in der Sinnlichkeit erscheint ohne durch das Über­sinnliche und aus ihm: Die Vorstellung irgend eines Materiellen, das sich selbst erzeugt, ist gedankenloser Unsinn, es gibt nichts Leben­diges, also Wirkliches ohne Voraussetzung dieser Polarität. Es ist eine charakteristische Eigentümlichkeit Kants, kantschen Philosophie­rens, daß bei ihm niemals Polarität erscheint, hergestellt wird. Im

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