auf diesem Felde von Erkenntnis und Erfahrung das gerade von Kant nicht berührte, von ihm Ausgeschlossene, das Denken! Die Tendenz ist diesem ersten Satze unverkennbar anzusehen, zu täuschen: die Täuschung liegt darin, daß abgelenkt wird auf einen Faktor, der gar keiner ist: Zeit, dem Element, dem keines Menschen Tun, Erfahren, Erkennen etwas anhaben kann, weil er ihnen im Erkennen gleichgültig bleibt, und es ist reine Spiegelfechterei, ihn hier entscheidend hereinzuspielen, eine Finte, um vom Entscheidenden abzulenken, abzuhalten, es nicht aufkommen zu lassen.
Das ist eine Tatsachenfeststellung, kein bloßes Urteilen, die eigentlich schon genügt, um über Kants Verhältnis zu Wahrheit und Erkenntnis aufzuklären. Ihre wirkliche Bedeutung, die weit über das Festgestellte hinausgeht, wird sich erst herausstellen, wenn wir seinen weiteren Schritten nachgehen. Kant ist demnach nicht der souveräne Geist, als der er präsentiert wird, der er sein müßte, wenn sein Einfluß und sein Wirken auf Deutsche und in Deutschland sich rechtfertigen sollten! Dieses Urteil läßt sich ebenso sicher schon jetzt sagen, wie es auffallen muß, daß es sich schon nach dem ersten Satze seiner Philosophie ergibt, wie sie seiner Grundhaltung entspricht.( Es verdient angemerkt zu werden: Kant, der in Deutschland alles überwucherte, ist kaum über die Grenzen gedrungen, dagegen hat Hegel , sein erster und bedeutendster Gegner, Verbreitung über die Grenzen hinaus bis nach Nordamerika gefunden.)
Daß sich in dem, was folgt, eine andere Seite seines Wesens enthüllen muß, es nicht eine bloße Erweiterung des Inhaltlichen ist, ergibt sich schon dem bloßen Anblick: dem ersten kurzen Satze, ebenso prägnant, wie er falsch ist, ja Falschheit in sich birgt, dessen schlagkräftig eingerichtete Bestimmtheit des Auftretens überrumpeln will, ihm ist angehängt ein voluminös aufgeblähter Nachsatz: zwischen beiden besteht, schon äußerlich anzusehen, ein auffallendes Miẞverhältnis. In einem Atemzuge spricht dieser Nachsatz aus den ganzen Umkreis von Erkenntnis und Erfahrung, vielmehr was nach Kant sie sein sollen, die besondere Färbung, die sie durch ihn erhalten. Die Büchse der Pandora ist geöffnet: habt Acht auf den geschenkten Reichtum, der uns zufließt, sich auf uns zu bewegt! Dem ersten, bestimmt geäußerten ,, daß"( I) folgt als Brücke ein ebenso bestimmt wirkendes, begründendes ,, denn"( II),( das Esels- Brücke dann ist).
In dem Verhältnis beider Sätze( I und II), das deshalb betrachtet werden muß, spricht sich eine Eigenart Kants aus: jede wirkliche
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