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Der Geist der Mitte : das andere Deutschland : die "Umschulung" der Deutschen / August Blume
Entstehung
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* Machtergreifungs

Große Namen pflegen zugleich ein Programm zu sein. Zu einem dieser Namen sind, um in diesem Zusammenhange verständlich zu erscheinen, einige programmatische Bemerkungen zu machen: Goethe. Der moderne, große Musiker Max Reger sagte einmal zu uns, seinen Schülern: So schön wie Mozart können wir nicht mehr schreiben, aber so gut als wir irgend können, müssen wir schreiben. Nun, wenn schon die heutigen Deutschen nichts mehr wissen wollen von der Zeit, als noch gut geschrieben wurde in Deutschland und noch wahr und schön dazu, nichts Wesentliches wissen von Goethe, geschweige denn von Zeit und Zeitgenossen, wie soll die Umwelt besser unter­richtet sein? Von der Zeit, als noch Geist war in Deutschland ? Die nichts sieht als die jüngste und zugleich furchtbarste Barbarei?

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Nein, wir haben, als Deutsche, die nicht in der Usurpation auf­gingen, untergingen, die Verpflichtung, den lebendigen Beweis dar­zustellen: die Wahrheit. Zu den Quellen des deutschen Geistes sich kehren heißt, zu den Quellen des Geistes überhaupt zurückkehren. Das ist Schuld, wo und wie sie vergessen ist, und Schuldigkeit: heute. In der Überwindung dessen, was sie, diese Quellen, verschlungen hat. Es ist nicht übertrieben das behauptete Nichtwissen von Goethe. Wäre es das, dann würde von seinem Erwecker und Fortsetzer ge­wußt: Rudolf Steiner . Wer kennt das Wort von ihm und wo wird nach ihm gehandelt: ,, Goethe ist der Kopernikus und Kepler der organi­schen Welt?" Das steht im Anfange von Rudolf Steiners Werken. Das ist ein Satz, der, so wahr er ist, es zugleich ,, in sich hat": Der Dichter, der Wissenschaftler, sie wohnen gar nicht weit auseinander, nicht so weit jedenfalls, daß sich noch der Philister breit zu machen hätte zwi­schen ihnen. Der gar keine Verdienste hat als die höchst anfecht­baren( zumal heute, in äußersten Notzeiten) sich den Wanst noch vollzufressen. Tun ist Wissenschaft, nicht wissen nur des Wissens willen, das nicht einmal versteht.

In einer Reihe von Szenenbildern wahrhaft shakespearescher Größe, ,, Lehrspiel" überschrieben, hat, was uns dankenswerter Weise die ,, Amerikanische Rundschau" März 1947 übermittelt, ein großer ameri­kanischer Dichter, Edward Estlin CUMMINGS , 1946 zur Anschauung gebracht das Urteilen und Streben der Besten der ganzen Welt: den tragenden Geist der Welt, der sich gegenüber hat den Tod, sich als Sieger wissend und behauptend, da er sich auf die ,, Wissenschaft" berufen kann, sich gegenüber hat so zur Herrschaft gekommene Todeskräfte die, das müssen wir hinzufügen, in Deutschland zur

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