f
1
die hier um ihr Leben kämpften, wurde jede Bergung abgelehnt. Auf Schiffbrüchige, die sich an herunterhängende Taue klammerten, wurde. das Feuer eröffnet. Mancher Kamerad versank, von einer Kugel dieser Mörder durchbohrt, in den Wellen.
Nur ein Boot machte eine ruhmvolle Ausnahme und nahm so viele Menschen an Bord, als es nur irgendwie zu fassen vermochte.
Als ob Tod und Teufel sich verschworen hätten, uns alle zu vernichten, prasselte gegen Abend ein eisiger Hagelschauer über die ganze Bucht, und ein aufkommender Wind peitschte das Wasser zu hohen Wellen. Um unser kleines Floẞ wurde es immer einsamer. Einer nach dem andern versank noch angesichts des nahen Ufers stumm und ruhig. Nur der nach oben, nach dem Lichte gerichtete Blick klagte zum letzen Male: ,, Warum...?"
Doch selbst jetzt war unser Elend noch nicht zu Ende. Auf die Wenigen, die den Kampf mit den Elementen glücklich überstanden hatten und das Ufer mehr tot als lebend erreichten, wartete neuer Schrecken: sie wurden von Mitgliedern der U- Bootschule Neustadt und vom Volkssturm mit Revolverschüssen empfangen. Gar mancher Kamerad wurde von diesen erbärmlichen Kreaturen hier noch wie ein räudiger Hund niedergeschossen. Jetzt galt nur noch eins: so rasch wie möglich unter den Schutz der alliierten Truppen zu kommen! Nur mit Hemd und Unterhose bekleidet, viele auch splitternackt, so wie wir den Fluten entstiegen waren, machten wir uns auf den Weg nach Neustadt. Zu Fuß oder mit Wagen, wie es das Glück ergab.
Nach zwölf Jahren frei
Unbeschreiblich war unser Jubel und die Begeisterung, als wir vor Neustadt den ersten englischen Tank erreichten. Die Soldaten wurden buchstäblich von ihren Sitzen gerissen und vor Freude umhalst. Wir waren endlich frei! Frei vom Terror der entmenschten! Zu Ende waren alle Grausamkeiten und Folterungen, alle Not und Unterdrückung. Zwölf lange Jahre waren wir nur eine Nummer. Jetzt durften wir wieder Menschen werden.
In später Abendstunde fuhr auf englische Anordnung noch einmal ein Dampfboot zu der ausgebrannten„, Cap Arcona ", um zu retten, was noch am Leben war. Durch die geringe Tiefe der Lübecker Bucht war die ,, Cap Arcona " nicht untergegangen, sondern hatte sich nur auf die Seite gelegt. Viele, die nicht mehr die Kraft und den Mut gehabt hatten, sich dem Wasser anzuvertrauen, flüchteten sich auf die heißen Bordwände und konnten so zum Teil noch geborgen werden. Mit Brandwunden überzogen wurden sie zurückgebracht.
47


