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Wir klagen an! : Ein Bericht über den Kampf, das Leiden und das Sterben in deutschen Konzentrationslagern ; Moor, Dachau, Mauthausen, Neuengamme, "Cap Arcona" / von Julius Schätzle, Schutzhäflting Nr. 211
Entstehung
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empfangen. Diese wurden an Deck aufgestapelt, mit einer Plane zuge­deckt und von vier 4- Posten bewacht. Bei dem Empfang auf der, Cap Arcona " zählte man noch 1004. Aber selbst dieser Rest wurde nicht unter den Häftlingen aufgeteilt, sondern unter der Wachmannschaft. In dieser ganzen Periode gab es für uns nur einmal für zehn Mann ein Brot.

Bei dieser Kost wären wir zu Hunderten verhungert, wenn wir nicht das einmalige, unvorstellbare Glück gehabt hätten, bei unserem Ausmarsch aus Neuengamme amerikanische Rote- Kreuz- Pakete zu empfangen. Wohl waren unsere ausgemergelten Körper nicht mehr in der Lage, die in diesen Paketen enthaltene kräftige Nahrung voll aufzunehmen, und mancher wurde durch den gierigen Genuß von fetter Konservenwurst ohne das nötige Brot auf das Krankenlager geworfen, aber der größte Teil der Kame­raden hielt sich durch eine weise Einteilung über Wasser.

Anfangs mußten wir täglich ,, nur" 15 bis 30 tote Kameraden aus den Kabinen tragen, aber alle Vorsichtsmaßnahmen, die von den verantwort­lichen Häftlingsärzten ergriffen wurden, konnten bei einem derart engen Zusammenleben nicht verhindern, daß die Krankheits- und Todesfälle rapid in die Höhe schnellten. Am vierten Tag nach unserer Verladung stellte unser tschechischer Arzt Gottlieb die ersten Typhusfälle fest. Bei einem längeren Aufenthalt hätte es für uns unter diesen Bedingungen keine Rettung mehr gegeben. Wir waren auf einem Totenschiff.

Das Äußerste riskierend, wurden wir bei unserem neuen Kommando­führer, Hauptsturmführer Klingenberg, noch einmal vorstellig und ver­langten schnellste Abhilfe. Vor wenigen Tagen noch hätte ein derartiges Auftreten einem-Führer gegenüber für die Häftlinge den sicheren Tod bedeutet. Nun dämmerte es auch dem rabiatesten 14- Mann, daß es mit ihrer Herrlichkeit zu Ende ging. Auch Klingenberg ließ nun mit sich handeln und verlegte wieder 2000 Mann zurück auf die ,, Athen". Nur ungern verließen diese 2000 Kameraden die, Cap Arcona "; und doch be­deutete es für sie die Rettung vor Schlimmerem.

Mit dem zweiten Häftlingstransport kam als Sonderbeauftragter der 44- Oberscharführer Viehagen an Bord. Er kam mit dem bestimmten Auf­trag, die reichsdeutschen Häftlinge für die Bewährungseinheit der 4 unter General Dirlewanger auszumustern. Die militärische Entwicklung vollzog sich schneller, und wir blieben so von dieser letzten Demütigung, eine 44­Uniform zu tragen, verschont. Anders erging es dem im Lager Neuen­gamme verbliebenen Rest von 400 Deutschen , die auch diese Schmach noch auskosten mußten und nach zwölfjähriger Schutzhaft in die Uniform ihrer Peiniger gesteckt wurden. Allerdings dauerte dieser Spuk kaum 48 Stunden. Bei dem ersten nächtlichen Marsch durch einen Wald er­griffen diese Kameraden das Weite und überließen Thumann mit seiner. Soldateska ihrem Schicksal.

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