es rundweg ab, die verlausten und verdreckten Schutzhäftlinge in seine Luxuskabinen aufzunehmen. Die Verhandlungen zwischen unserem Kommandoführer, 44- Hauptsturmführer Thümmel, und dem Kapitän zogen sich endlos in die Länge, ohne zu einem Erfolg zu führen. Unverrichteter Dinge mußte die ,, Athen" wieder nach Lübeck zurückkehren.
Sofort nach unserer Ankunft im Hafen verließ Thümmel in großer Aufregung das Schiff, um erst gegen Abend wieder zurückzukehren. Über den Stand der geführten Verhandlungen konnten wir nichts erfahren, doch hatten all diese Vorkommnisse dazu beigetragen, unser Miẞtrauen zu steigern. Ohne besondere Merkmale fuhr unser Schiff bei einbrechender Dunkelheit ein zweitesmal die Trave abwärts, um am anderen Morgen wieder an der Seite der„, Cap Arcona " vor Anker zu gehen.
In der Zwischenzeit wurden die Verhältnisse in unseren Laderäumen geradezu unerträglich. Überall herrschte ein bestialischer Gestank. Alle Versuche, das Schiff rein zu halten, scheiterten an dem völligen Fehlen von Besen, Schrubbern und anderen Putzmitteln. Die zwei aufgestellten Kübel waren völlig unzulänglich für die 2000 Menschen. Nur der kleinste Teil davon war noch gesund. Beinahe alle waren jetzt von Dysenterie befallen. Der Durst quälte uns bis zum Wahnsinn. Alles wurde geopfert, nur um einen Schluck Wasser zu bekommen. Viele von uns hatten noch Zigaretten, die als Tauschobjekt bei der Bewachungsmannschaft begehrt waren. Aber dies kostbare Naß ging auf dem Schiff bald zur Neige. In ihrer Sucht nach Nikotin scheute sich die Wachmannschaft nicht, die Durstigen an Stelle von Trinkwasser mit Salzwasser zu betrügen. Aber auch das schmutzige Meerwasser wurde dann getrunken und die Qualen wurden dadurch noch mehr gesteigert.
Am 26. April 1945 kam endlich der Befehl zur Verschiffung auf die ,, Cap Arcona ". Hoffnungsvoll betraten wir das stolze Schiff der Ham burg - Südamerika - Linie. 69 Kameraden konnten uns nicht mehr begleiten; die Entbehrungen und Strapazen auf der ,, Athen" waren für sie zu groß gewesen. In den kühlen Fluten der Ostsee fanden sie ihr Grab.
,, Cap Arcona "! Was versprach dieser klingende Name früher den Passagieren! Wer denkt beim Erwähnen dieses Schiffes nicht an heitere Vergnügungsreisen, an große Bälle mit festlich gekleideten Menschen, an luxuriös ausgebaute Tanzsäle, an Schwimmbad und Tennisplatz und vor allem an vollbeladene Tische mit den auserlesensten Speisen und Getränken? Wir Elendsgestalten aus Neuengamme , die wir, halbverhungert, dem Verdursten nahe, von unserem Frachtdampfer nach dem Luxusdampfer verladen wurden, wir dachten auch daran. Doch nur wenig von dieser Herrlichkeit blieb für uns übrig.
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