eingetretenem Tod, was sehr oft vorkam, wurde die Leiche sofort in den Sezierraum gebracht.
Ein weiterer Versuch Dr. Raschers war, festzustellen, wie lange ein Mensch mit den vorhandenen Schutzmitteln im kalten Meerwasser lebend treiben kann und welche Wiederbelebungsversuche am geeignetsten seien. Das für diesen Zweck im Revier gebaute, zwei Meter tiefe Bassin wurde mit Wasser gefüllt und durch Hinzusetzen von Eis auf die gewünschte Temperatur gebracht. Der Häftling wurde in eine vollständige Fliegerkombination gesteckt, die mit allen auszuprobierenden Schutzmitteln gegen Wasser und Kälte versehen war, und kam so in das eiskalte Wasser. Unter ständiger Kontrolle von Temperatur und Puls blieb er in dieser Lage bis zur völligen Erstarrung.
Bei den Wiederbelebungsversuchen wurden alle alten bekannten Verfahren angewandt und darüber hinaus neue Mittel erprobt. Nach nationalsozialistischer Methode schreckte man auch hier vor keinem Hindernis zurück. Neben dem Verfahren mit Kaffee, Alkohol usw. wurden sechs junge Frauen zu diesem Experiment herangezogen. In völlig nacktem Zustande mußten sie sich zu den bewußtlosen, steifgefrorenen Männern ins Bett legen. Dr. Rascher versuchte dann die Reaktion dieser Methode festzustellen.
In Neuengamme wurden zehn jüdische Kinder verschiedenen Alters, Buben und Mädels, mit Tuberkulosebazillen infiziert und neue Präparate an ihnen ausprobiert.
Solche und ähnliche Fälle hörte man aus allen Lagern; auch in Dachau gab es mehrere. Aber ich will nur das anführen, was ich selbst gesehen habe. Welche praktischen Resultate bei diesen Versuchen herauskamen, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur eines, daß Hunderte dabei ihr Leben lassen mußten, daß Tausende junge, gesunde Menschen durch kalte Berechnung solcher Ärzte" zu dauerndem Siechtum verdammt wurden.
Was diese Opfer an seelischen Qualen auszustehen hatten, läßt sich nicht in Worten ausdrücken. Meistens waren sie durch Unterernährung so schwach, daß sie erst einige Zeit durch kräftige Nahrung auf dieser Station zu vollwertigen Versuchsobjekten durchgefüttert werden mußten. Dabei sahen und hörten sie viel über das ihnen zugedachte Schicksal, so daß sie Tag und Nacht von dem Gedanken gequält wurden, werde ich die Unterdruckkammer lebend verlassen, werde ich aus der todesähnlichen Erstarrung wiedererwachen?
Leichenschändung
Die grenzenlose Habgier der Nationalsozialisten begnügte sich aber nicht mit der Ausbeutung ihrer lebenden Sklaven. Im buchstäblichen Sinne des Wortes haben sie noch ihre Haut und Knochen zu Markte getragen. Selbst am toten Gegner wurde noch profitiert.
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