Arbeit setzten sich diese Ärzte für ihre Kameraden ein. Auch bei den Pflegern hatte sich manches gebessert. Durch die Überfüllung des Lagers traten aber für das Revier neue Schwierigkeiten auf. Selbst die Schwerstkranken mußten zu zweit oder dritt in einem Bett liegen, und mancher Patient erwachte morgens neben einem toten Kameraden in seinem Bett.
Eines der scheinheiligsten Gesetze der NSDAP . war ihr Tierschutzgesetz. Ein Menschenschutzgesetz zu machen, hatten sie vergessen. Wer erinnert sich nicht mehr der Proteste früherer Tierschutz- und Frauenvereine, wenn ernsthafte Forscher Kaninchen oder Meerschweinchen für ihre Versuchsarbeiten benützten?
Zur ewigen Schmach und Schande der nationalsozialistischen Ärzteschaft sei es gesagt, daß sich Vertreter aus ihrem Stande dazu hergaben, gesunde Menschen als Versuchskarnickel zu benützen.
Professor Schilling aus der Stadt Dachau , ein hochbetagter Mann, hatte es sich in den Kopf gesetzt, ein neues Mittel gegen Malaria zu entdecken. Sein spezieller Freund Himmler gab ihm die Erlaubnis, im Dachauer Lager eine Versuchsstation einzurichten und die dortigen Häftlinge als Versuchsobjekte zu gebrauchen.
Dem menschlichen Versuchskarnickel wurden malariaverseuchte Fliegen auf das Bein gesetzt, um ihn dadurch mit dieser fürchterlichen Tropenkrankheit zu infizieren. Die Folgen traten in Gestalt des bekannten Malariafiebers sehr rasch und heftig auf. Die von Professor Schilling benutzten Mittel wurden nun an diesen Menschen ausprobiert. Viele starben dabei. Andere überstanden die Behandlung, ob durch diese Präparate oder trotz derselben, weiß ich nicht. Aber alle hatten noch jahrelang darunter zu leiden.
In der Auswahl der Menschen für seine Zwecke kannte Professor Schilling keine Skrupel. Als erste mußten alle Grünen( Berufsverbrecher), die er für geeignet fand, durch seine Station gehen. Als zweite Gruppe kamen die polnischen Geistlichen an die Reihe. Im letzten Jahr hatte er immer noch das Recht, monatlich 30 Häftlinge nach seinem Belieben auszusuchen. Mehr als anderthalbtausend Menschen gingen so durch diese Versuchsabteilung.
Eine weitere Versuchsstation wurde durch die Luftwaffe unter Leitung des Hauptmanns Dr. Rascher eingerichtet. Es kam ein besonders konstruierter Spezialwagen zur Aufstellung, in dem eine Unterdruckkammer eingebaut war. Durch Luftentzug wurden darin Verhältnisse geschaffen, wie sie der Flugzeugführer in großen Höhen antrifft. Besondere Instrumente und ein Fenster ließen die Vorgänge in der Unterdruckkammer überprüfen. Der zu diesem Experiment vorgesehene Häftling setzte sich in dieser Kammer an einen Tisch und mußte zur Überprüfung seines Bewußtseins und der Wirkung der veränderten Luftverhältnisse eine Zahlenkolonne von einhundert rückwärts niederschreiben. Nach Eintritt der Bewußtlosigkeit wurde in der Kammer der normale Luftdruck rasch wiederhergestellt, um so die Bedingungen des Sturzfluges nachzuahmen. Bei
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