Die#-Führer verstanden es aber, immer neue Finanzquellen zu er- schließen. Der Reichsführer der 74 und der deutschen Polizei, Heinrich Himmler , der Kraft seines Amtes die Aufgabe hatte, den Gesetzen und Bestimmungen der Regierung Rückhalt zu geben, setzte sich über alles hinweg, wenn es galt, seine eigenen Interessen zu vertreten.
Die Produktion von Luxusgegenständen wurde zugunsten der Rüstung immer mehr gedrosselt und war zuletzt ganz verboten. Für den„Reichs- heini“ galt das nicht. In seinen Porzellanfabriken in München -Allach und Dachau wurden nach wie vor die feinsten Porzellanfiguren und Vasen hergestellt. Um seinen Profithunger zu stillen, wurden für die in diesen Fabriken beschäftigten Häftlinge nicht wie üblich RM. 4.— und RM. 6.— verrechnet, sondern nur 20 Pfennig täglich.
In der Industrie wurden die Häftlinge zu den schwersten und gefähr- lichsten Arbeiten eingesetzt. Als bei Messerschmitt in Augsburg während der schweren Bombenangriffe die Zivilarbeiter die Fabrik verließen, wurden die Häftlinge mit dem Ochsenziemer und der Drohung mit den Maschinengewehren zur Arbeit getrieben. Wegen Arbeitsverweigerung wurden viele Kameraden aufgehängt.
Nach den ersten Bombenangriffen wurde unter Vorspiegelung der Entlassung nach 20 Einsätzen Freiwillige gesucht zur Bergung von Blind- gängern. Entlassen wurde niemand. Dagegen fanden viele den Tod bei dieser Arbeit. Nachdem auch auf die schönsten Versprechungen hin sich niemand mehr dazu meldete, wurden die Kommandos einfach bestimmt.
So wurde der Einsatz der K.Z.-Häftlinge ein immer schwerwiegen- derer Faktor in der gesamten Rüstungsindustrie. Herabgemindert wurde der Wert dieser Arbeit durch die Unzuverlässigkeit der Gefangenen als Arbeiter und die dadurch erforderliche Verstärkung der Kontrollen im Arbeitsprozeß durch die notwendige Bereitstellung der unproduktiven Wachmannschaften und durch die trotz aller Vorsichtsmaßnahmen durch- geführten Sabotageakte. Sabotiert wurde sowohl in der Produktion, als auch im Einsatz der Arbeitskräfte. Durch den von Häftlingen geleiteten Arbeitseinsatz wurden täglich Hunderte von Arbeitskräften zurückgehalten und wichtige Facharbeiter zu nebensächlichen Arbeiten verwendet.
An dieser stillen Front gab es keine Kreuze zu verdienen, kein Heeres- bericht gab davon Meldung. Hier gab es nur Blut und Tränen, Prügel und Verschickungen. Still und bescheiden tat man seine Pflicht. Von manchem erfuhr man seine mutige Tat erst, als er unter dem Galgen stand. Ob Russe oder Franzose, Tscheche oder Deutscher , hier standen alle Nationen in einer Front gegen die Kriegsverbrecher der Achsenmächte.
„Kriegsverlängerer!“ war das neueste Schimpfwort. Wer es aufge- bracht hatte, wußte niemand. 1943 tauchte es zum erstenmal in den Messer- schmittwerken in Augsburg auf und verbreitete sich rasch über alle Fabriken, in denen Häftlinge beschäftigt waren. Je offensichtlicher die nationalsozialistische Niederlage wurde, desto mehr schwand die Arbeits- disziplin und der aktive Widerstand griff immer mehr um sich.
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