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Ein zweiter Transport, der mir ewig im Gedächtnis haften bleiben wird, kam im Juli 1944 aus dem Sammellager Compiégne . Über 1000 Franzosen wurden unter den denkbar schlechtesten Verhältnissen nach Dachau gebracht. Durch die immer wieder zerstörten Bahnlinien und die Verstopfung der wenigen noch befahrbaren Gleise durch die Militärtransporte wurde dieser Zug tagelang auf Nebengeleise abgeschoben. Auch hier kümmerte sich niemand um die in den Waggons eingeschlossenen Menschen. 483 Tote, zum Teil schon halb verwest, wurden in Dachau aus den Waggons geborgen, die anderen mußten alle im Revier aufgenommen werden. Viele konnten auch hier ihre Gesundheit nicht mehr erlangen.
Ausländer
Nach dem Polenfeldzug 1939 kamen die ersten Ausländer in Schutzhaft. Konform mit dem Vormarsch des deutschen Heeres in fremden Ländern, rückten die verschiedenen Nationen im Lager ein. Vertreter von über 28 Nationen aller Erdteile sammelten sich hier auf kleinstem Raum. Alle diejenigen, die sich weder dem Marschstiefel der deutschen 4 beugten, noch den Lockungen eines Quisling, Degrelle oder Wlassow folgten, wurden hier konzentriert.
Bei der Ankunft der Polen war noch der alte Drill im Lager. Ihre erste ,, Arbeit" war deshalb, tagelang auf der Lagerstraße zu stehen, deutsche Lieder zu lernen und den Dachauer Gruß( Mützen ab- Mützen auf) zu üben.
Schlimmer erging es den Russen. Die ersten Transporte russischer Kriegsgefangener erreichten das Lager überhaupt nicht. Auf dem Schießstand der Waffen- wurden sie zu Tausenden ermordet. Mit Blut besudelte Uniformen der Roten Armee kamen als einzige Zeugen dieser Schandtat ins Lager. Bei späteren Transporten wurden vom Schutzhaftlagerführer von 1000 Kriegsgefangenen 10 bis 20 Mann willkürlich ausgesucht und durften am Leben bleiben. Solche Ermordungen von Kriegsgefangenen brachen nie ab. Von vielen späteren Beispielen nur eines:
Am 16. September 1944 wurden aus dem Lager 91 russische Offiziere in Gruppen zu 30 Mann zum Krematorium geführt. Auf Befehl des Schutzhaftlagerführers Campe mußten sie sich ausziehen und nackt zum Schießstand weitergehen. Hier wurden sie kniend durch einen Genickschuß von den-Schergen ermordet. Die Exekution war gegen 11 Uhr beendet. Um 1 Uhr wurde festgestellt, daß auf dem Haufen der Leichen nach drei Mann am Leben waren, so schlecht war die Henkersarbeit. An der Exekution nahmen teil: der Schutzhaftlagerführer Campe, die Rapportführer Kuhn und Böttcher, der Verwalter des Krematoriums, Bongarz, und andere-Männer.
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