das Warten auf den nächsten Streich waren die Nerven zum Zerplatzen angespannt.
Die zweite, so häufig angewandte Lagerstrafe war das Hängen.
Bei diesem Hängen, kurz„ Baum" genannt, wurden dem Verurteilten mit einer eisernen Kette die Hände nach hinten zusammengeschlossen. Dann mußte er einen drei Stufen hohen Tritt erklettern. Der Henker nahm das andere Kettenende, klinkte es in einem an einem Balken angebrachten Haken ein und zog den Tritt dem Daraufstehenden mit einem Ruck unter den Füßen weg. Dieser schwebte nun mit nach hinten gerissenen Armen ungefähr 20 Zentimeter über dem Boden.
Im allgemeinen dauerte diese Prozedur eine Stunde. Das Hängen war aber auch eine sehr beliebte Methode zur Erpressung von Aussagen. In einem solchen Falle hing schon mancher über zwei Stunden. Mancher bis zu seinem Tode. In der Regel trat der Tod zwischen der zweiten und vierten Stunde ein.
Fürchterliche Schmerzen in den Schultern und Handgelenke waren die Folgen dieser Behandlung. Nur mühsam konnte die Lunge mit dem nötigen Sauerstoff versorgt werden. Das Herz arbeitete in einem rasenden Tempo. Aus allen Poren drang der Schweiß. Aber auch nach der Stunde dieses Fegefeuers zeigten sich noch üble Folgen. Der Häftling war nicht mehr in der Lage, seine Hände und Arme zu benützen, alles war gelähmt. Oft war eine wochenlange Behandlung im Revier notwendig, um diese Folgen zu beseitigen. Deshalb wurde, um die wertvolle Arbeitskraft zu erhalten, diese Strafe im Jahre 1941 abgeschafft.
Hauptsturmführer Zill war in der Befriedigung seines Sadismus unersättlich. Mit der Verbüßung obengenannter Strafe war es nicht immer getan. Oft kamen noch 42 Tage Arrest dazu. Dieser wurde in Dachau immer ohne Tageslicht durchgeführt. In der Frühe wurde zum Zellenreinigen das elektrische Licht zehn Minuten eingeschaltet. Etwas zu Essen gab es nur jeden dritten Tag. Haarschneiden und Rasieren waren in dieser Zeit überflüssiger Luxus. Wenn sich dem Unglücklichen das Glück wieder zuwandte, kam er nach sechs Wochen körperlich völlig gebrochen, wieder auf den Block( Baracke) zu seinen Kameraden, andernfalls kam er auf Monate oder gar Jahre in die Strafkompagnie.
Häftlingstransporte
Im Laufe der letzten Jahre ging man immer mehr zur Methode der Verschickung unliebsamer Häftlinge über. Nicht alle Lager hatten die gleichen Lebensbedingungen. Von den bekanntesten waren in Stufe I: Dachau , Buchenwald und Sachsenhausen; Stufe II: Neuengamme , Natz weiler , Stutthof , Floßenbürg, Mittelbau; Stufe III: Mauthausen , Gusen , Lublin , Auschwitz und Riga . Stufe I galt als gut, Stufe III waren aus
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