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Gefühl, doch immer noch guten Mutes verließen wir in nächtlicher Stunde die Fisenbahnwaggons, um bei hellem Mondenschein unseren Marsch an- zutreten. Das Neue und Ungewohnte einer solchen nächtlichen Wanderung hielt uns wach.
Unvergeßlich bleibt der Anblick, der sich uns bot, als wir plötzlich durch eine enge Gasse den berüchtigten ‚Steinbruch„Wiener Graben“ betraten. Von dem fahlen Mondlicht gespensterhaft beleuchtet, bot das wilde Durcheinander von Felsen ein Bild, als wären wir auf dem Monde selbst angelangt. Zur linken Seite zog die lange Schlange der blauweiß gekleideten und kahl geschorenen Häftlinge über eine 152 Stufen hohe Treppe durch die kahlen Felswände in die Höhe. Unwillkürlich kam mir bei diesem Anblick ein Bild aus dem Film„Metropolis“ in Erinnerung, wie die Arbeitssklaven in müdem Schritt durch die unterirdische Fabrik- stadt zur Arbeit geführt werden.
Ein wüstes Gebrüll weckte uns beim Einmarsch in das Lager aus unseren Träumereien:„Ihr roten Hunde, eure Zeit ist vorbei! Ihr seid nun nicht mehr in Dachau , sondern in Mauthausen , hier weht ein anderer Wind!“ Das war der Empfang. Aber nicht nur durch die#, sondern auch durch die von der#4-Führung eingesetzten sogenannten Berufsverbrecher, bestehend aus Dieben, Räubern, Zuhältern und Mördern. Diese wurden nach ihrem grünen Winkel„die Grünen“ genannt. Für die Nationalsozia- listen schienen das die geeigneten Elemente zu sein, um uns„umzu- schulen“. Für uns bedeutete es die größte Schmach, ausgerechnet von solchen Elementen belehrt zu werden über Sauberkeit, Ehrlichkeit, Wahr - haftigkeit usw.
Zur Belehrung wurde uns am anderen Morgen die Mauthausener Er- ziehungsmethode vorgeführt. Ein Häftling, der aus Hunger irgendwo etwas Brot organisiert hatte, ging müden Schrittes durch die Lagerstraßen und trug ein Plakat, auf dem geschrieben stand:„Ich suche meinen Sara Ohne irgendwelche Formalitäten wurde dieser Unglückliche vom Lager- kommandanten zum Tode verurteilt. Tag für Tag mußte er nun sein Plakat von früh bis spät durch die Lagerstraßen tragen, und wenn er irgendwo vor Erschöpfung zusammenbrach, bekam er so lange Prügel, bis er seinen Weg fortsetzte. Des Nachts wurde er in eine enge Arrestzelle gesteckt. Essen oder Trinken gab es für ihn nicht mehr. Diese Tortur wurde fortgesetzt bis zu seinem Tode.
Bald ging es in den Wiener Graben. Die Arbeit in einem Granitstein- bruch ist immer schwer, aber bei den hier waltenden Verhältnissen mußte jeder Mensch zugrunde gehen. Mit den primitivsten Mitteln mußten größte Leistungen erzielt werden. Das mörderische Kommando der Steinträger war besonders gefürchtet. Schwere Steine mußten auf den Schultern die berüchtigten 152 Stufen und darüber hinaus ins Lager getragen werden. Am: Fuße der Treppe stand der Kommandoführer,#/-Hauptscharführer Spatzenecker, und jeder, der seiner Meinung nach einen zu leichten Stein ausgesucht hatte, bekam nun von ihm einen besonders schweren zudiktiert.
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